Aus dem Mythen-Post Archiv
Korrespondenz mit Bert Engelbrecht 1995

Vorbemerkung: Hier finden Sie Briefe (Faxe) von Urs Beeler an Bert Engelbrecht, Neuseeland. 

Mythen-Post

Mr. Bert Engelbrecht

191 Hackthorne Road

Postfach 7

Cashmere

6431 Schwyz

NZ-Christchurch

Tel./Fax 041 811 20 77

Fax/Tel.: 00643 332 4638

 

Schwyz, den 13.11.95

Lieber Bert
Heute haben wir herrliches Föhnwetter und ich erlebe die Auferstehung von den Toten... Vergangene Woche war ich praktisch nur eines: depressiv, mit einem Bein im Grab.
Jetzt ist mein Humor - glücklicherweise - wieder zurückgekommen.
Deine Abreise nach Neuseeland setzte mir wirklich zu. Dann noch die Nachricht, dass F.X. in O. ist und der R14 auf dem Schrottplatz. Apropos R14: Am dritten Tag wollte ich meinen geliebten R14 wieder zurückholen.
R.H. meinte, für Fr. 10'000.-- könne man den Wagen wieder "wie neu" machen. Ich rief deshalb frühmorgens Kari Eichhorn an, ob das Auto noch da sei. Er antwortete mit "ja" und am selben Nachmittag ging ich mir den Wagen anschauen:
riesiges Entsetzen! Die Mechaniker hatten den 14er zuvor bereits mit allerlei Gerümpel für den Schrottplatz vollgepackt, den sie jedoch anschliessend auf Kari's Weisung wieder herausgenommen hatten. Die Sitze hatten aber stark gelitten (viele Flecken) und es stank so bestialisch, dass ich meine R14-Renovationspläne endgültig begraben musste.
Kari Eichhorn tat die Sache enorm leid und er machte sich Vorwürfe. Ich selbst war an diesem Tag am Boden zerstört. Kari meinte im nachhinein, ich sei an diesem Tag so traurig gewesen, "wie wenn ein lieber Mensch gestorben sei."
"Vergessen Sie doch endlich diese französische Scheiss-Karre!"
höre ich Deinen Vater in der Phantasie sagen. Tatsache ich, dass ich mein "fahrendes Sofa" arg vermisse. An den Micra werde ich mich wahrscheinlich nie gewöhnen. Ich bin noch nie so frustriert Auto gefahren wie die vergangenen 4 Wochen. Optisch ist ja alles "glatt" an diesem Auto und es kommt bei den Kunden gut an. Sie finden die Form gefällig. Aber richtig Spass beim Fahren macht es nicht. Das Fahrwerk ist ein grosser Schwachpunkt. Je mehr ich Micra fahre, desto mehr wird mir bewusst, dass die Japaner von Fahrwerken keine Ahnung haben. Zum langsamen Fahren ist es zu hart und zum schnellen Fahren ist es auch nicht ausgelegt. Störend ist ausserdem die starke Tendenz zum Untersteuern.
Mit Wehmut denke ich an meinem geliebten R5 GT Turbo zurück. Der Micra kann dem wirklich nicht entfernt das Wasser reichen...
Nun die Vorteile: Was super ist, ist die Handlichkeit. Für Kundenbesuche und zum Einkaufen ist der Wagen ideal. Ich kenne kaum ein Auto, das so "spielerisch" ist (vielleicht noch am ehesten der Peugeot 106). Seitwärtsparkieren in engste Parklücken ist mit der leichtgängigen Servolenkung ein Kinderspiel.
Die übrige Technik ist "typisch Nissan". Sheka Metha (schreibt man das so?) lässt grüssen. Mit dem Micra kannst du mit brutalster Gangart fahren - der Karren ist so zäh wie ein Geländefahrzeug (Safari Rallye - kein Problem! Du musst nicht einmal etwas modifizieren...). Das ist auch wieder so ein Problem. Der Micra ist mir einfach zu "rauh". Ich hab's halt lieber weich und fein.
Punkto Durchschnittsverbrauch bin ich vom Micra ebenfalls etwas enttäuscht: 10 Liter!
Etwas Sorgen machen mir auch rasche Gangwechsel vom 1. in den 2. Gang. Irgendwie [Anmerkung: Dieses Problem verschwand mit der Zeit]. Die Bremsen haben selbst bei niedrigen Aussentemperaturen eine ausgeprägte Tendenz zu Fading. [Anmerkung: Tatsächlich ist es keine "Rennbremsanlage", aber es ist i.O.]
Während vier Wochen habe ich mir überlegt, ein anderes Auto zu kaufen. Aber der Witz ist, dass es nichts Vernünftiges gibt. Am ehesten vielleicht noch den Peugeot 306 mit 1,4-Liter-Motor. Der hat ein relativ weiches Fahrwerk (weicher als der dunkelgrüne, den wir gefahren sind). Aber so richtig überzeugen tut mich dieser Wagen auch nicht. Optisch gefällt mir der Micra besser. Schönes Rot, keine getönten Scheiben und ein heller, freundlicher Innenraum. Dem gegenüber steht beim Peugeot das bessere Fahrwerk.
Von allen von mir getesteten Autos kommt der 306 dem R14 in der Charakteristik am ehesten entgegen, wobei er aber bei weitem nicht den legendären Federungskomfort bietet.
Kritikpunkt beim 306 ist der laute Motor (das 1,4-Liter-Triebwerk ist noch einiges lauter als der Motor in dem grünen 306, den wir [bei Hediger] gefahren sind). Das Drehvermögen ist aber geradezu brachial! Dieser Motor dreht und dreht und dreht - vergleichbar dem 1,1-Liter-Motor des 106 Diabolo, mit dem wir im Sommer 1993 unterwegs waren.
Ob ich - meinem Rücken und Nacken zuliebe - im Frühling '96 auf Peugeot umsteigen werde, ist noch offen. Ich weiss schon, dass man Chirac [Anmerkung: In Anspielung auf die damaligen Atom-Tests] boykottieren sollte. Das Verrückte aber ist, dass ich mich offenbar nur in einem französischen Auto "zuhause" fühlen kann. [Anmerkung: Diese Aussage trifft jedoch nur auf die alten, bequemen Franzosen zu.]
Dein Fax vom 5.11.95 war für mich ein grosser Aufsteller. Ich habe das Gefühl, dass Du in Neuseeland richtig auflebst! Mögen all Deine Pläne gelingen. Ich wünsche Dir alles Glück!
Umgekehrt macht es mich natürlich traurig, dass Du, mein lieber Freund und Kollege, nicht mehr hier bist. Anfänglich war ich so demprimiert, dass viele mit mir Mitleid empfanden. In der Druckerei sagten sie: "Herr Beeler, heute sehen Sie wirklich schlecht aus..." Mehrere Leute (Druckerei Kürzi, Kunden, Willy M.) rieten, Dich in Neuseeland zu besuchen. Die Leute verkennen jedoch meine panische Flugangst...
Ich habe mir in den vergangenen Wochen die Frage gestellt, was ich hier in Schwyz soll. Mich dünkt es manchmal, dass hier alles von Tag zu Tag nur noch trostloser wird. Schwyz (die Leute hier, von wenigen Ausnahmen einmal abgesehen) ist ein furchtbares Kaff. Irgendwie möchte ich dem Ganzen entrinnen, umgekehrt gibt es einfach noch gute Gründe [Anmerkung: M. und K., die herrliche Wohnlage, die heimelige Wohnung, das schöne Büro], die mich zum Hierbleiben veranlassen.
Ich bewundere Deinen Mut, Dein Leben total neu zu gestalten. Ich finde das toll! Beim Lesen von Deinem Fax kam mir der Gedanken, auch mein Leben neu zu gestalten. Aber ich hänge an Schwyz nun einmal...
Ich muss hier meinen Kampf fechten - und mich auch finanziell verbessern. Wenn ich vielleicht eines Tages meine Flugangst überwinden kann...
Ich glaube nicht, dass man in Schwyz, der Schweiz, ja Europa im allgemeinen "noch gross glücklich werden kann". Irgendwie entwickelt sich alles zum Negativen. Dieser Eindruck wird auch durch die negativen Berichte der Medien bestätigt. Es dominiert allgemein die Freudlosigkeit. Man kann nur versuchen, als kleine (Familien)Insel in diesem Wahnsinn zu überleben. [Anmerkung: Gesundheit von M., K. und mir, eine intakte Umgebung, gut gesinnte Leute, gesunde Ernährung und Produkte, genügend Geld, geistige und materielle Unabhängigkeit - dann kann das Leben in der Schwyzer Bierbrauerei-Festung sehr schön sein!]
(...)
Was mich immer wieder erstaunt, ist, dass dieser gesellschaftliche Wahnsinn funktioniert, obwohl doch besseres Wissen da wäre, den Zustand zu ändern. Aber offenbar wollen das die Leute gar nicht. Das ist wirklich irrational!
Ich möchte die Umgebung um mich schöner, freudiger, lebensfroher machen. (...)
Für mich ist es wichtig zu wissen, ob es eine Gesellschaft ausser dieser hier in Europa gibt, die anders, besser ist. Ich bin deshalb sehr gespannt zu erfahren, wie Du Neuseeland und die Leute dort erlebt.
(...) So bin sehr froh, dass ich geschäftlich wenigstens viel mit Leuten (wenn sie auch manchmal schrecklich sind...) zu tun habe. Das lenkt ab.
W.M. meinte kürzlich zu mir: "Du weisst zu viel..." Wahrscheinlich kommt mir das Leben hier manchmal so unerträglich vor, weil ich tief im Innersten weiss, wie schön es (auch in der Schweiz) sein könnte.
Ich sollte nicht so negativ denken. Schliesslich bin ich ja einigermassen gesund und besitze die Möglichkeit, mein Leben selber zu gestalten. "Jeder ist seines eigenen Glückes Schmid", heisst ein Sprichwort. Resignieren bringt nichts.
So lebe ich hier [und] schaue, dass das Geschäft einigermassen läuft - und ich in einigen Jahren finanziell und auch emotional unabhängig bin. Wer sein Leben lang dem Geld nachrennen muss, bleibt ein Sklave.
In diesen Tagen habe ich mir überlegt, ein neues Buch zu schreiben. Ich nehme die Arbeit jedoch nicht auf, weil man an der herrschenden Situation ohnehin nichts ändern kann. Solange die Menschen sich nicht selber ändern wollen, geschieht gar nichts.
Bereits die guten Gedanken in der Bibel, die von Karl Marx, Wilhelm Reich usw. würden genügen, die Welt besser zu machen. Was soll man noch hinzufügen? Jeder Gedanke wäre Verschwendung!
Du hast (vorausgesetzt Neuseeland ist gut) den richtigen Schritt gemacht - und die Umgebung gewechselt. Aus der Feststellung "Jeder Tag in Schwyz ist verloren" zogst Du die Konsequenzen.
(...) Die Menschen hier sind am Anschlag. Der Konkurrenzdruck ganz allgemein wird härter. Weil's immer enger wird, werden die Leute noch egoistischer, auf-sich-bezogener. Es wird immer mehr gelogen und geheuchelt - überall.
Das ganze Leben wird automatischer, mechanistischer. Wilhelm Reich hat bereits in seinem Buch "Massenpsychologie des Faschismus" vor der Mechanisierung des menschlichen Lebens gewarnt. Aber dieses Wissens eines einzelnen oder ein paar weniger ändert offenbar nichts.
(...)
Am vergangenen Samstag vor einer Woche fiel der israelische Ministerpräsident Rabin einem Attentat zum Opfer. (...)
Ich sehe all diese Dinge mit sehr grosser Sensibilität. Tiere besitzen auch diese Sensibilität. Im Gegensatz finden es hiesigen Normalmenschen als normal, Tiere in enge Käfige zu sperren.
Die Menschen sollten endlich lernen, die Tiere als Mitgeschöpfe zu sehen und zu behandeln. So müsste es eine Selbstverständlichkeit sein, Tiere nicht zu töten und auch nicht zu essen. Den Charakter eines Menschen lässt sich gut danach bemessen, wie sein Verhältnis gegenüber Tieren ist. Mich nähme es deshalb sehr wunder, wie in Neuseeland mit Tieren umgegangen wird - wie weit der Tierschutz entwickelt ist.
Das Problem der heutigen Zeit ist: Ein Grossteil der Leute ist "falsch programmiert." Sie wurden mit falschen Daten (Erziehung, Tradition usw.) gefüttert. Im Prinzip müsste man "neu formatieren und frisch laden"...
Ist Neuseeland das "Paradies auf Erden"? (humanere Wirtschaft, ökologische Landwirtschaft, kinderfreundliche Schulen bzw. Erziehung, andere Wertvorstellungen, andere Lebensauffassung?)
Robert Marty aus Brunnen sagte kürzlich, falls es mit der Schweiz so weitergehe, wolle er auch nach Neuseeland auswandern.
Nochmals vielen lieben Dank für Deinen informativen Fax vom 5.11.95. Er sprudelt von Neuigkeiten und Leben. Und herzliche Gratulation natürlich zu Deinem Hauskauf! Ich freue mich für Dich... and wish you all the best (das Englische gesprochen mit der markanten Stimme von Mr. Becker senior).
Viele Grüsse
Urs

 

PS: Gestern habe ich mit Deiner Mutter telefoniert.
Ich freue mich, dass Deine Eltern wieder da sind und werde sie demnächst besuchen.
Übrigens: Sollten meine Depressionen nicht verschwinden, werde ich zu Vater Engelbrecht in Therapie gehen...


Schwyz, den 30.11.95

Lieber Bert
Vielen herzlichen Dank für Deinen Fax vom 20.11.95.
Vor zwei Wochen war ich nicht einmal sicher, ob ich noch im Januar mit einem Heft herauskommen kann... Diesbezüglich sieht es glücklicherweise wieder etwas besser aus.
Damit man im Verkauf Erfolg haben kann, muss vor allem das psychische Umfeld stimmen. Am Montagmorgen vor einer Woche glaubte ich noch, diese Basis würde optimal stimmen. "Es wird fein gekocht, die Wäsche ist tip top sauber, die Rahmenbedingungen (wenigstens im Haus) sind gut.", dachte ich mir. Am Nachmittag kam es dann zu einer fürchterlichen Auseinandersetzung wegen einer absoluten Belanglosigkeit. Ich selbst blieb recht "cool", focht mit Argumenten. Aber die Angelegenheit eskalierte - bis K. mich schliesslich tätlich angriff (!) und nicht mehr von mir ablassen wollte. Verrückt!
Der Hintergrund? M. geht's nicht besonders gut. Die Gleichgewichtsstörungen von den starken Medikamenten wollen und wollen nicht bessern. Herz, Lunge und Leber sind ebenfalls in ihrer Funktion stark beeinträchtigt. Klar, dass dann der Mensch als Ganzes angeschlagen ist und überempfindlich reagiert.
Die Devise in unserem Haushalt heisst "schonen". Ich respektiere das auch. Gerade an diesem Tag aber gab es eine typische Situation, wo ich nicht schweigen konnte. Ich musste meine Meinung sagen...
Das Problem ist nun, dass es solche Konflikte in unserem Haushalt nicht mehr verträgt. (...). Vom psychischen Ablauf her ist mir alles klar. Das Problem aber ist, dass man Probleme meist nicht ausdiskutieren bzw. den "Knopf" lösen kann. Je mehr ich es versuche, desto grösser werden die Widerstände. Der Widerstand war vor einer Woche so gross, dass mich (wie ich bereits erwähnte) K. tätlich angriff. Das schmerzt einen natürlich. Aber die Zeit lässt Gras darüber wachsen.
Ich selbst kann im nachhinein nicht einmal "böse" sein, weil ich die gegen mich ausgeübte Aggression als Hilflosigkeit verstehe. Weil Argumente fehlen, wird einfach drauflosgeschlagen.
Wie ging's weiter? Beide redeten nicht mehr mit mir und behandelten mich als Fremden. Meine Post z.B. musste ich selber vom Briefkasten heraufholen (ihre eigene holten sie, meine wurde "aussortiert"...).
Das ganze Theater war kindisch. Im Prinzip ist jeder Gedanke daran Verschwendung.
Bei der Austragung von Konflikten geht es mir jeweils darum, reinen Tisch zu machen und wieder vorwärts zu schauen. Wenn ich verärgert bin, dann kurz und intensiv - nachher scheint wieder die Sonne. Aber zu derartiger Konfliktbewältigung sind meine "Mitbewohnerinnen" (wobei: die meisten Leute!) oft nicht fähig. Sie lassen sich vielmehr auf "Zermürbungsschlachten" ein, die für beide Seiten nichts, aber auch rein gar nichts bringen, sondern nur schaden, weil sie viel psychische Energie fressen.
Am liebsten hätten sie mich an diesem Tag zum Teufel gejagt.
"Wie kann man zu solchen Hassregungen fähig sein, wenn man doch schon so lange unter demselben Dach wohnt?" fragte ich mich. Da kann doch irgendwie etwas nicht stimmen... "Man" lässt doch unterschwellige Konflikte nicht so lange anwachsen, bis sie "atomares Potential" entwickelt haben. (...)
Ein Trost habe ich: Jedes Jahr vor Weihnachten gab es in den vergangenen Jahren solche "psychische Gewitter".
Schon vor Jahren haben sie mir nahegelegt, ich solle doch "ausziehen". Erstens wohne und arbeite ich hier gern und zweitens glaube ich nicht, dass sich die Lebensqualität von M. und K. durch meine Abwesenheit erhöhen würde.
Natürlich sehe ich, wieviel die beiden Frauen tagtäglich für mich tun bzw. schon getan habe. Ich schätze ihre Arbeit und zeige auch meine Dankbarkeit. Das Problem ist aber, dass sie gerade ihre Hausfrauenarbeit des öfteren als Druckmittel gegen mich einsetzen...
Einerseits verwöhnen sich mich, andererseits machen sie mich - den "Verwöhnten" - aber auch abhängig. Denn wenn die gewohnten Dienstleistungen einmal ausfallen, vermisse ich sie sehr...
Umgekehrt sehe ich nicht ein, wieso ich einen eigenen Haushalt führen soll. Ich bin zeitlich (Büro!) dermassen ausgelastet, dass ich sehr froh bin, dass mir wenigstens das Kochen sowie Waschen/Bügeln abgenommen wird. [Anmerkung: Später ändert sich das. Beeler macht alles allein.]
(...) Ich glaube nicht, dass es nötig ist, noch mehr Worte zu diesem Thema zu verlieren. Du kennst mich und meine Situation gut genug.
Was in unserer Familie oft fehlt, ist der "Blick nach vorn". K. belastet der Gesundheitszustand von M. manchmal so stark, dass sie (wie geschildert) "durchdreht". Das Thema "Krankheit" und "Tod" taucht in unserem Familienalltag immer wieder auf. Dabei bringt dieses negative Denken niemanden weiter. Vor allem: Ich brauche unbedingt einen klaren Kopf zum Arbeiten! (Ich bin schon Masochist genug, ohne dass man mich noch laufend mit Schuldgefühlen vollpumpen muss!!) Mein Ziel ist, in Harmonie zu leben. Ich möchte, dass alle gesund sind und mit Optimismus in die Zukunft gehen. Wenn die Atmosphäre innerhalb einer Familie stimmt, lässt sich eine rauhe Aussenwelt problemlos ertragen.
[Anmerkung: Oder man kann auch allein leben, was Beeler später macht und dabei sehr glücklich ist.]
Als ich es neulich zuhause nicht mehr aushielt, fuhr ich am Abend mit dem Auto fort. "Wie schön wäre es doch jetzt, Bert in Rickenbach aufsuchen zu können", dachte ich. Ich vermisse Dich wirklich sehr!
Früher hatte ich in jedem Lebensabschnitt Kollegen: in der Primarschule, der Sek., dem Kollegi und auch später. Aber so verdammt verlassen wie jetzt war ich in meinem ganzen Leben noch nie. [Anmerkung: Später macht das Beeler nichts mehr aus. Reine Gewöhnungssache!] Gewiss könnte ich mit irgend jemandem abends weggehen. Doch ich weiss zum vornherein, welch' Eintönigkeit mich erwartet.
Mein eigenes Problem ist, dass ich enormen psychischen Schwankungen unterworfen bin. [Auch das hat sich später stabilisiert.] Vergangene Woche dachte ich jeden Morgen nach dem Aufstehen an Selbstmord. Während dem Tag sagte ich mir: "Das Beste wäre eigentlich, gar nicht geboren worden zu sein." - Nun, solche Gedanken findet man bereits im Alten Testament.
Ich weiss auch nicht, woher diese enormen Schwankungen meines Gemüts herkommen. [Anmerkung: Das hypersensible Immunsystem!!!] Einerseits hat es sicher etwas mit meinem speziellen Stoffwechsel zu tun, andererseits dürften auch das Wetter und andere Faktoren einen grossen Einfluss auf meine Psyche haben.
Wilhelm Reich ist in den Fünfzigerjahren übrigens auch beim Wetter gelandet und hat es untersucht. Doch momentan habe ich weder Zeit noch Energie, mich mit Fragen der menschlichen Bioelektrik oder Reichs Orgonomie auseinanderzusetzen. Ich muss vor allem schauen, dass ich finanziell überleben kann. Viele Inserate-Abschlüsse sind per Ende Jahr abgelaufen.
Der Verkauf macht mir Spass, obwohl er psychisch unglaublich aufwendig ist. In den vergangenen Tagen habe ich dermassen viel Telefon-Marketing betrieben, dass Vater Engelbrecht und "Herr Scherer" recht alt ausgesehen hätten... "Urs, Sie sind ja nicht normal..." höre ich Deinen Vater in meiner Phantasie dazu sagen.
Bezüglich Telefon-Marketing kommt mir heute die Erfahrung von Deinem Vater und "Herrn Scherer" sehr zugute, wobei ich das ganze Prozedere des Telefonierens auf mich zuschneide, d.h. ich benutze kein festes Schema und verwende auch keine dieser mühsamen und mich abstossenden Verkauf-Tricks. Ich geschäfte meinem Naturell gemäss, wohlwissentlich, dass ich mit meiner Methode zwar wahrscheinlich weniger ökonomischen Erfolg, dafür mehr emotionale Zufriedenheit (ein reines Gewissen!) habe.
Der Verkauf ist heute unglaublich hart. Und es gibt viele Typen, ähnlich dem Herrn Sch. vom Schuhhaus M. in Sattel...
Trotzdem ist der Verkauf eine lustvolle Herausforderung. Es ist, als ob man einen hohen Berg erklimmen will. Das ganze Unterfangen braucht unheimlich viel Kraft. Plötzlich wechselt das Wetter, es fängt (bildlich gesprochen) an zu schneien, dann scheint wieder die Sonne und es wird wärmer.
Einerseits muss man sich auf die äusseren Bedingungen einstellen, andererseits möglichst gut mit seiner eigenen Energie haushalten (ja nicht verausgaben, was ich leider viel zu oft tue!). Ein guter Verkäufer muss gleichzeitig etwas Spieler und Komödiant sein. Man darf das Verkaufen nicht allzu ernst nehmen, sondern muss es aus einer bestimmten psychischen Distanz heraus machen. Ferner ist menschliche Wärme wichtig. [Anmerkung: Ja, hier sagt Beeler interessante Dinge!]
Manchmal macht man 10, 20, 30 oder 50 Anrufe und kein Bein zeigt Interesse zu inserieren. Manchmal wiederum gibt's Überraschungen, dass man jemanden als neuen Kunden gewinnt, von dem man es nie erwartet hätte.
Der Umgang mit Menschen ist zwar strapaziös, aber sehr interessant.
Wichtig ist, dass man im Verkaufsgespräch vom Gegenüber nicht abhängig ist, sondern denken kann: "Es gibt noch 500 andere potentielle Kunden." Mein Fehler war früher oft der, dass ich (masochistisch) viel zu viel Zeit am falschen Ort investierte und meinte, man müsse überall Erfolg haben können. Im Geschäftsleben heisst die Devise: nur dort Zeit und Energie investieren, wo es sich rentiert.
Als Verkäufer darf man auch keine Tabus haben. Ich muss noch viel "hemmungsloser" werden, wobei nicht ganz so extrem wie der korpulente Geschäftskollege von Vater Engelbrecht, der an einer Ausstellung in einen "Trocken-Max "schlüpfte...
Das Problem ist, dass ich nicht immer die Energie habe, die ein Top-Verkäufer haben muss. Wenn ich depressiv bin, läuft gar nichts.
Geschäftlicher Erfolg hängt sicher einmal von der Markt- bzw. Konkurrenzsituation ab. Der entscheidende Faktor aber ist letztlich der Mensch selbst. Wenn man an etwas scheitert, so glaube ich heute, ist es nicht an der "bösen Aussenwelt", sondern an sich selbst. Am Horst-Engelbrecht-Satz "Selber schuld!" ist sehr viel dran! [Anmerkung: Wobei die negative Aussenwelt nicht unterschätzt werden sollte!]
Wenn ich noch immer nicht den gewünschten Durchbruch geschafft habe, dann liegt es an mir und nicht an K. oder am Leser. [Anmerkung: Hier irrt Beeler. Wenn "schlechte" Zeiten sind, hilft gar nichts.] Und wenn ich in die falschen Aktien investiere, dann ist dies ganz allein mein Fehler. Und selbst wenn ich depressiv werde, ist es meine Schuld, denn schliesslich sollte man sich soweit entwickeln können, depressionsfördernde Situationen zu vermeiden. [Anmerkung: Prophylaxe ist auch hier richtig!]
Noch etwas Humoriges: Neuerdings gibt es eine interessante Software von IBM. Der Autor muss nur noch sprechen und die Maschine schreibt's. Ich schlage Vater Engelbrecht vor, auf diese Weise ein Buch mit dem Titel "Selber schuld!" zu verfassen. Das Werk wird 2'480 Seiten umfassen und alles sagen, was es jemals zu diesem Thema zu sagen gab bzw. zu sagen geben wird... ("Nun hören Sie schon endlich auf, solchen Mist zu erzählen...)
Zurück zum Thema Marketing. Ich habe in den vergangenen Jahren diesbezüglich einiges verschlafen. Auch redaktionell habe ich am Markt "vorbeiproduziert". Nun kann ich weiter sagen: "Aber es ging mit dem damaligen Wissen und aus der Situation heraus nicht anders..." - nur bringt mich dieses Denken nicht weiter. Selbst hier hätte Dein Vater recht, wenn er sagt: "Man muss doch vorwärtsblicken!"
Ich habe das in der Vergangenheit zu wenig gemacht und muss dies nachholen.
Von P. u.a. wurde mir jahrelang eingeimpft, ich sei ein "wirtschaftlicher Nichtsnutz". Zudem hätte ich nie einen "richtigen Beruf" erlernt. Den Nachweis, dass man auch ohne eigentliche Berufsausbildung (Lehre, Diplom, Hochschule usw.) erfolgreich sein kann, möchte ich in Schwyz schon noch erbringen. Die (...) soll eines Tages so gut sein, dass selbst die ärgsten Kritiker nichts mehr zu meckern haben.
Wichtig ist im Geschäftsleben ein "Stehauf-Männchen" zu sein. Entscheidend ist, niemals zu glauben, man habe es jetzt geschafft.
Im wirtschaftlichen Räderwerk zu operieren, bedeutet, täglich neu herausgefordert zu werden und neue Leistungen zu erbringen. Hier muss ich von meinem "Einstufen-Raketen-Vorgehen" wegkommen. Nur mehrstufige Raketen, die immer und immer wieder zünden, kommen zum Erfolg.
"Urs macht Fortschritte", würde wahrscheinlich Dein Vater an dieser Stelle sagen. Und ich hoffe, dass ich meine theoretischen Gedanken auch noch erfolgreich in die Praxis umsetzen kann.
Viele Grüsse (auch an Jörg und Karin)
Urs

 

PS: Zum Anfang: Vielleicht habe ich mich um meine Lieben zuhause tatsächlich zu wenig gekümmert und nur an mich selbst gedacht. Ich werde mir Mühe geben, dies zum Guten zu ändern. Selbsterkenntnis! [Anmerkung: Beeler hätte sich gescheiter mehr um seine Lieben gekümmert als für Kessler und andere engagiert.]

 


Schwyz, den 28.11.95

Lieber Bert
Vielen herzlichen Dank für Deinen Fax vom 20.11.95.
Eigentlich wollte ich Dir exakt am 1. Dezember anlässlich Deines Haus-Bezugs noch ein Fax schicken. Leider wurde aus dem guten Vorsatz nichts. An besagtem Freitag raste ich wegen Auto-Versicherungsofferten und div. anderen Dingen herum. Einige vorgesehene Kunden-Besuche fielen ebenfalls ins Wasser.
Nun nachträglich nochmals ganz herzliche Gratulation zu Deinem Hauskauf. Ich bin sicher, dass in einigen Wochen (oder spätestens Monaten) dieses Haus wie neu aussieht, wenn Du mit Deiner bekannten Perfektion Hand anlegst.
Mit schöner neuer Farbe, frischen Tapeten und einer hübschen Inneneinrichtung kannst Du Dir nun ein eigenes Paradies in Neuseeland schaffen.
Du musst ja nicht alles auf einen Schlag machen, sondern kannst Dir Zeit nehmen, so dass das Haus Schritt für Schritt Deinen Vorstellungen entspricht. Diese Arbeit allein wird Dir mit Sicherheit viel Befriedigung verschaffen. Ich weiss noch, wie früher mein Vater neue Wohnungen in unserem Haus plante und realisierte. Das war für ihn eine grosse Passion.
Was gibt's aus Schwyz Neues zu berichten? Charly, der hinter mir auf dem Tisch pfeift, ist so zutraulich geworden, dass ich ihn mittlerweile sogar streicheln kann (Er besteht sogar darauf, indem er seinen Fuss demonstrativ auffordernd aus dem Käfig hält!). Das Tierchen nimmt - so scheint es mir jedenfalls - durch den Umgang mit mir immer stärkere "menschliche Züge" an. Auch meine wertkonservative Lebensart teilt er. Auf negative Veränderungen z.B. reagiert er mit vehementem Protest... Auch ist er ein regelrechtes "Nachtlicht". Am vergangenen Samstagabend schauten wir bis 23.45 Uhr (er wollte nicht schlafen gehen...) Spiegel TV. Die betr. Sendung brachte eine recht ausführliche Biographie über den deutschen Grossverleger Axel Springer. Es nahm mich wunder, wie dieser Mann durch das Verlagsgeschäft "steinreich" wurde. (...) In der Sendung wurden auch Interviews mit seinen früheren Verlagsmanagern gebracht. Mir war keiner dieser stark oral-regredierten Typen (ein Dicker hatte während des gesamten Interviews immer eine dicke Zigarre in der Hand...) sympathisch. Ich glaube, auch Dir hätten Sie nicht gefallen.
Die Grundidee des Axel-Springer Imperiums scheint mir die gewesen zu sein: Wie kann ich aus dem einfachen Gemüt des kleinen Mannes am meisten Kapital schlagen? Die verlegerischen Produkte wurden dann genau auf dieses Zielpublikum abgestimmt. Mit gewaltigem Erfolg! Das Imperium war bald 1 Mrd. wert!
Ausser einer aussergewöhnlichen Sympathie für den Staat Israel (Springer besuchte z.B. den jüdischen Staatsmann Ben Gurion) und einer unendlicher Trauer über den Holocaust während des 3. Reiches finde ich an Springer nichts menschlich "Anziehendes" bzw. Bewundernswertes. (Obwohl dieser Mann vermutlich schon etwas Spezielles an sich haben musste, sonst hätte er es nicht geschafft, innerhalb von relativ wenigen Jahren eine solches Imperium aufzubauen.) Was mich aber an Springer enttäuschte, war sein zu wenig vorhandener "philosophischer Background": Ein (für meine Begriffe) enges nationales Ideal verbunden mit einem (soweit ich es aus dem Film-Beitrag beurteilen kann) bescheidenen allgemeinen Weltbild.
Gerade an diesem Mangel an philosophischem, soziologischen und psychologischem "Background"-Wissen scheint Springer nach 1968 gescheitert zu sein. Trotz einem Riesenvermögen, gewaltiger Macht (höchste Politiker aller Parteien inkl. Bundeskanzler gaben sich regelmässig bei ihm die Ehre) war dieser Mann nicht glücklich. Er hatte sich in Windeseile ein Imperium aufgebaut, das für ihn zu viel wurde und dessen Früchte er gar nicht richtig geniessen konnte. Auch familiär muss sein Leben enttäuschend gewesen sein. Zahlreiche gescheiterte Ehen, ein Sohn, der Selbstmord beging usw. In der Sendung wurden auch Interviews mit seinen früheren Ehefrauen gebracht: Ich hätte (vom Charakter her) keine einzige von ihnen zur Frau haben wollen!
Erstaunlich ist, dass ein Mann wie Springer mit so vielen Komplexen (z.B. Angst, religiösen und mystischen Wahnvorstellungen) und Schwächen (z.B. Faulheit) einen solchen Erfolg haben konnte. Die Zeit nach dem Krieg, wo - vor allem in den Fünfzigerjahren - eine allgemeine Aufbruchstimmung herrschte, kam ihm sicher zugute. (Die Eigendynamik in seiner Firma muss eine gewaltige Rolle gespielt haben!)
Ich habe mir überlegt, was zu tun wäre, um (...) erfolgreich zu machen. Erstens müsste man sie "unentbehrlich" machen, wöchentlich herauskommen mit einem Veranstaltungskalender und aktuellen Information, günstigen Inseraten (Wohnungs- und Liegenschaftsmarkt, Stellen usw.) (...) Nur will ich das nicht. Ich müsste den Betrieb personell aufstocken. Mindestens 1 Person müsste wöchentlich auf "Inserate-Fang" gehen, dann müsste man eine fixe Inserate-Annahmestelle an der Kollegiumstrasse schaffen (1 Stelle für Inserate und Administration), hinzu käme 1 Layouter und 1 Redaktor. Ich sehe jedoch von einem solchen Ausbau ab, weil man a) gute Leute nicht kriegt und b) das ganze in mechanische Hektik und Abhängigkeit (vom Personal und den Inserenten) hinauslaufen würde. Ferner habe ich das Gefühl, dass der Markt in Schwyz in den kommenden 1-2 Jahren sowieso "nicht mehr hergibt". Und ich bin politisch zu umstritten, dass ich alle Kunden anspreche...
Die M.-P. kann weiterhin nur als Nischenprodukt und auf Sparflamme operieren. Mehr liegt nicht drin. Ich kann nur versuchen, aus diesem Minimum, das mir am Markt gegeben wird, ein Optimum herauszuholen. Für 1996 heisst dies konkret: Optimieren des Verkaufs (Themen-Schwergewichte, z.B. Auto, Mode usw. bzw. Orts-Ausgaben, z.B. Muotathal, Schwyz usw.) und des redaktionellen Teils (mehr Themen, griffig geschrieben; mehr Bilder, mehr Information, mehr Unterhaltung, Wettbewerbe usw.). Punkto Verkauf ist wie folgt vorzugehen: 1. Phase: möglichst viele Abschlüsse machen, 2. Phase gezielt auf Themen- bzw. Ortsausgaben Inserate verkaufen. Redaktionell muss ich - marktgerecht - einen Grobplan betr. dem Inhalt für alle 12 Ausgaben des Jahres 1996 zusammenstellen. Nur, wenn ich in Zukunft ein gutes Marketing betreibe, habe ich mit der M.-P. eine Überlebenschance. (Redaktionell werde ich weiterhin einen eigenständigen Kurs halten)
(...)
Zuerst muss ich unbedingt einmal richtig Ordnung in meinen zwei Büros machen. [Anmerkung: Das sagt Beeler seit Jahren!] Unheimlich viel Material hat sich gestapelt und vieles davon muss archiviert werden. Administrativ muss mein Kleinbetrieb total gestrafft werden. Es muss eine klare Ordnung nach Prioritäten geben. (Mittlerweile komme ich mir schon vor wie eine österreichische Verwaltung, die sich selbst verwaltet und unter dem Strich viel zu wenig effizient arbeitet). Wenn Du mir ein paar Tips geben kannst, bin ich Dir dafür sehr dankbar (Mehr sparen kann ich jedoch nicht mehr! Markus Waldvogel sagte mir neulich, ich sei jetzt schon mit Abstand sein sparsamster Klient...)
Was gibt es sonst noch zu berichten? Vom 30. November bis 3. Dezember war Weihnachtsausstellung in der Turnhalle Rubiswil. Ich habe die Ausstellung 2 x besucht und muss sagen, dass sich die Gewerbler viel Mühe gegeben haben. Die Stände waren schön, der Platz recht grosszügig und die Atmosphäre (für Schwyzer Verhältnisse) gut. (Ich habe mit drei 36er Filmen die Ausstellung photografisch festgehalten...)
Spass hatte ich noch an E. v. E. (xy , Brunnen), einer Kundin von mir. Obschon sie verheiratet ist und etwa drei kleinere Kinder hat, zeigt sie (für eine Schwyzerin eine absolute Ausnahmeerscheinung!) spontan ihre Herzlichkeit. Auch ihr Mann D. ist sehr nett. Es ist schön zu wissen, dass es im Talkessel Schwyz auch noch solche Menschen gibt.
An der Weihnachtsausstellung redete ich auch noch mit Deinem alten Schulkollegen F.M. Er sagte, ich solle Dir unbedingt noch einen Gruss von ihm ausrichten. Vielleicht werde er irgendwann auch einmal nach Neuseeland reisen. Seit Jahren schon beschäftige er sich mit der Südsee.
Im Mythen-Center traf ich B.R. (Sohn von T.R.), der mit seiner Freundin neulich in Neuseeland (übrigens auch Christchurch!) war. Dann habe ich noch Grüsse an Karin auszurichten von Frau Dettling (senior) vom Gasthaus Bauernhof in Lauerz. Karin sei die beste Serviertochter gewesen, die sie jemals gehabt habe.
Sonst noch Neues?
Ich habe mir am 28.11. einen roten Peugeot 306 XR mit 1,4-Liter-Motor (75 PS) bei R.H. bestellt. Ich hoffe, dass es der richtige Schritt war (nach über 1'200 km Nissan Micra...).
Wie bereits geschildert, sieht der Micra mit seiner rundlichen Form und dem hübschen Rot zwar gefällig aus. Das Auto ist sehr übersichtlich und handlich. Die Kopffreiheit ist ausgezeichnet und die Instrumente sind übersichtlich angeordnet. Super ist z.B. die Lüftung: einige Sekunden und beschlagene Scheiben werden im Handumdrehen klar (mit einem alten Renault muss man mindestens nach Zürich fahren, bis der Ventilator etwas Wirkung zeigt... (vgl. Othmar Gwerder im R4...) Das ganze Auto wäre i.O. - bis auf die spartanisch-harten Sitze und das Fahrwerk. Im Vergleich zu einem französischen Standard-Fahrwerk ist die Micra-Aufhängung total primitiv (sie sieht aus wie von 6.-Klässlern konstruiert und ist - vor allem auf längeren Strecken - entsprechend zu fahren...). Was mich ebenfalls etwas angurkt, ist der kleine Tank. Alle 400 km ist ein Tankstopp nötig. (Die in der Werbung angepriesenen 5-6 Liter lassen sich wahrscheinlich nur auf dänischen Autobahnen im 5. Gang realisieren...).
(...)
Ich habe mir neulich auch den Almera (Sunny-Nachfolger) bei Kari Eichhorn angeschaut. Die Sitze dieses neuen Modells entpuppten sich als ungefähr so bequem wie ein Brett aus Buchenholz...
Etwas leid tut es mir, jetzt schon einen Markenwechsel vornehmen zu müssen. Kari Eichhorn war (ist) mir gegenüber sehr grosszügig (ein wirklich ausgesprochen fairer Garagist!). Auch neulich z.B., als ich 4 Winterreifen benötigte. Nun kann ich "nur Kari zuliebe" aber nicht Nissan fahren und Rückenschmerzen haben. [Anmerkung: Kari Eichhorn inserierte später nicht mehr, was nicht so flott war.]
Seit ich Micra fahre, habe ich fast immer Rückenschmerzen.
Der Peugeot 306 XR ist sicher auch nicht das Gelbe vom Ei (sonst hätte ich ihn sicher schon vorher gekauft!). Jedoch bietet er mehr Raum und Komfort. Der 1,4-Liter-Motor gilt als "narrensicher" (er wird übrigens auch im Peugeot 106 und 205 sowie Citroën AX und ZX verwendet). Was mich optisch am meisten stört, sind die getönten Scheiben (Normalglas ist heute auch bei Opel, VW usw. - soweit ich orientiert bin - nicht mehr erhältlich). Auch das Rot ist nicht so schön wie das des Micra. Klapper- und Knarrgeräusche werden wahrscheinlich "obligatorisch" mitgeliefert... Dafür hat der Peugeot mit Sicherheit die weicheren Sitze und das komfortablere Fahrwerk. Punkto Geräuschkulisse lasse ich mich überraschen. Das Auto wird voraussichtlich im Januar produziert werden - vielleicht lassen sich die Franzosen für den Jahrgang 1996 noch etwas gegen die hohen Dezibelzahlen einfallen... (Sonst bleibt nur eines übrig: niedertourig fahren. Ein Drehzahlmesser - anstelle der Riesenuhr - ist übrigens laut Prospekt bei diesem Modell serienmässig vorhanden!).
Wann das Auto genau kommt, weiss ich nicht. Momentan wird in Frankreich sowieso noch gestreikt (Gegen Sozialabbau streiken diese Deppen, jedoch nicht gegen Atomtests!!).
Konsequenterweise hätte ich als Atomtest-Gegner im Moment auch keinen Peugeot kaufen dürfen...
Viele Grüsse (auch an Jörg und Karin)
Urs

 


Schwyz, den 22.6.96

Lieber Bert
Vielen herzlichen Dank für Deinen Fax vom 20.5.96, die Fotos, die Karte und den Fax vom 7.6.96. Ich habe mich darüber sehr gefreut!
(Entschuldige, dass ich Dir erst jetzt antworte. Ich musste wieder "chrampfen" wie ein Pferd. Und viel Arbeit - vor allem Organisations-, Aufräum- und Sortier-Arbeit - steht noch bevor...)
An meinem Geburtstag meinte es Petrus wirklich gut. Es herrscht wunderschönes Sommerwetter und ich konnte mit kurzen Hosen und Libli herumlaufen. An diesem Tag fuhr ich noch in Richtung "Rotschuo" in Gersau. Vom Licht und der Vegetation her war es absolut super - paradiesisch! (Die Natur war in ihrer Schönheit unüberbietbar.)
Mir ist unbegreiflich, warum sich diese Landschaft hier nicht positiv auf die Menschen auswirkt. Das schöne Wetter - und im Kontrast dazu die hiesigen Leute: furchtbar! Am besten, man geht gar nicht aus dem Haus, wenigstens nicht an Sonn- und Feiertagen.
Kürzlich führte der VgT (Verein gegen Tierfabriken) eine Schiffahrt (Treffen) auf dem Vierwaldstättersee durch. Abreiseort war Luzern. Ich wäre gerne gegangen, aber allein der Gedanke nach Luzern fahren zu müssen, hat mich davon abgehalten. Städte wie Luzern oder Zug sollte es gar nicht geben.
Das Schlimme ist, dass man die herrliche Landschaft hier je länger je weniger geniessen kann. Überall bescheuerte Leute - man wird noch zum Menschenfeind!
Rückblickend kann ich Deinen Vater gut verstehen, dass er selten aus dem Haus in Rickenbach ging. Und aus gutem Grund hast Du Deine Ausflüge aufs Nötigste (Velofahren) beschränkt. Wer sich mit Schwyzern abgibt, ist Masochist.
Das Leben hier könnte einen wirklich depressiv stimmen. Die meisten Leute sind dermassen konservativ und festgefahren, dass man sie auf den Mond zu schiessen wünscht. Dieser verdammte Schwyzer Leuteschrott und Filz!
Ich selbst bin bei warmen Sommerwetter meist gut gelaunt und bemüht, für etwas lockere Stimmung zu sorgen. Aber diese scheintoten Schwyzerinnen und Schwyzer zum Leben zu erwecken, scheint ein Ding der Unmöglichkeit zu sein. Ich finde das schlimm. Neben dem materiellen Wohlstand ein solches emotionales Defizit!
Das Beste ist wirklich, man versucht möglichst viel Geld zu verdienen und verreist nachher. Zum Leben (und für die Liebe) ist die Schweiz nicht geeignet, nur zum Arbeiten.
Was gibt es sonst zu berichten? W.F. ist nach 3 Monaten Altersheim gestorben. Offenbar wollte er nicht mehr leben, anders ist dieser rasche Tod kaum zu erklären.
Das Schwyzer Casino = MythenForum (mehr ein Bunker) wächst. Dieser Bau sagt viel über den gesellschaftlichen Zustand aus. Das Schwyzer Parkhaus Hofmatt ist kürzlich fertig geworden; der "Begegnungsplatz" entspricht einer Betonwüste. (Alles, was in unserer Region gebaut wird, gibt ja auch den Zeitgeist wieder.)
Apropos Bauen: Vor ca. 3 Woche hat die Erweiterung des Mythen-Centers in Ibach begonnen. Man rechnet ungefähr mit Kosten von 90 Mio. Franken. Der Verkehr in Richtung Ibach wird über den unteren Center-Parkplatz umgeleitet (punkto Strassenbau erinnert es mich etwas an unsere Deutschland- bzw. Dänemarkreise).
Den Peugeot 306 habe ich immer noch nicht verkaufen können, obwohl ich ihn bereits Fr. 5'000.-- billiger, d.h. für Fr. 14'950.-- in der "AR" anbot. Jetzt mache ich auch noch einen Versuch in der "Fundgrueb": 30% Rabatt, d.h. für Fr. 14'000.--. Den Micra offeriere ich für Fr. 11'500.-- (Wegen dieser verdammten Kiste habe ich immer Rücken- und Nackenschmerzen!).
Der neue Citroën Saxo ist zwar eine furchtbare Klotterkiste, wenigstens aber sind Fahrwerk, Sitze, Lenkung und Bremsen akzeptabel. Den Rest kann man vergessen. Bisher bin ich lediglich die rauhe 1,4-Liter-Version (Motor wie Peugeot 306) gefahren. Dieses Auto passte mir nicht. Nun habe ich vor, die 1,1-, 1,6- und die Sportversion (neuer 1,6-l-Vierventiler mir 120 PS) probezufahren.
Willy meint nach wie vor, mein 306 XR mit 1,4-l-Motor sei die "optimale Lösung". Dieses "Guetzli" kann er jedoch vergessen...
Ich bin nicht einmal der einzige, der sich über die heutigen "modernen" Autos beklagt. Kürzlich sprach ich in Brunnen mit einem Urner Citroën Xantia-Fahrer. Er sagte, das Auto sei ihm zu hart. Am liebsten hätte er noch immer seinen bequemen alten CX. Aber eben... - selbst die Automobilhersteller spinnen.
Übrigens: Willy fährt neu einen Citroën Xantia Break 2.0. (Er ist von diesem Auto überzeugt.)
Jetzt im Sommer vermisse ich Dich schon sehr. Es ist niemand da, mit dem man nach Brunnen spazierengehen kann. Kein Bierausflug in die Kleinstadt, kein Spaziergang in Weggis. Das ist schon trostlos.
Ob ich mich in Neuseeland wohlfühlen würde? P.I. und C.C. (unsere Mieter) waren einige Wochen in Neuseeland. Ihnen gefiel es sehr, vor allem auch Christchurch. Mein Problem ist - und das hast Du schon längst erkannt - dass ich mit dem Schwyzer Boden verwurzelt bin. Umgekehrt leide ich hier unter dem unsäglichen Leuteschrott. Was tun?
Eigentlich sollte ich ja zufrieden sein. Es gibt Millionen Menschen, denen es gesundheitlich, finanziell usw. schlechter geht als mir. Nur meine ich: mit den Voraussetzungen, die wir in der Schweiz hätten, könnten wir es viel schöner haben.
Die Woolworth-Aktien sind sogar einmal bis auf - wenn ich mich nicht täusche - 23$ gestiegen. Das stört mich jedoch nicht.
Der Goldpreis scheint tendenziell eher zu fallen. Momentan liegt der Unzenpreis so um die 384$. Wenn das Gold auf 370-375$ fällt, könnte man vielleicht 1'000 Battle Mountain, Echo Bay oder Homestake Aktien kaufen. Von der Dividende her sind vor allem Amgold und Kloof interessant. Technologiewerte haben im Moment eher an Terrain eingebüsst. Hier verfolge ich speziell Unisys und Digital Equipment.
Von der Rendite her interessant wäre Pacific Gas & Electric (Energie). Sollten jedoch die Zinsen in den USA steigen, dürfte dieser Titel automatisch tiefer bewertet werden. Ein weiterer Unsicherheitsfaktor ist der Dollar. Momentan heisst es, der Franken würde tendenziell eher weiter an Wert verlieren. Umgekehrt: Wenn der Dollar plötzlich wieder auf Fr. 1.10 fällt, sagen dieselben "Experten", dass der Kurs gar auf Fr. 1.- oder theoretisch sogar Fr. 0.90 fallen könne. Die Frage stellt sich auch, wie der Schweizer Franken auf die Einführung der europäischen Einheitswährung reagieren wird.
Kommt Jörg schon bald in die Schweiz?
Viele liebe Grüsse
Urs

PS: Geniesse das Leben in Neuseeland!

 


Schwyz, den 25.8.96

Lieber Bert
Herzlichen Dank für Deinen Fax vom 22.7.96.
Entschuldige bitte, dass ich erst heute ein Lebenszeichen von mir gebe.
Die vergangenen Wochen waren streng. Ich musste arbeiten wie ein Pferd. Anfangs September findet im Zingel die 3. Regionale Gewerbe-Schau statt - und da will ich es diesen Innerschwyzer Idioten wieder einmal mit einer 4-Farben-Nummer zeigen!
Der Verkauf ist hart, zumal die meisten Leute auf "Sparkurs" sind und ich zudem (wie schon seit Jahren) von gewissen rückständigen Kreisen boykottiert werde. (Natürlich ist es schon irgendwie logisch, dass dieselben Leute, die ich in aller Öffentlichkeit als Idioten bezeichne, mir nicht Geld für Inserate geben wollen... Umgekehrt bin ich nicht bereit, mich denen redaktionell anzupassen.)
Apropos Schrott: Ich bin vor einigen Wochen alle derzeit verfügbaren Versionen des Citroën Saxo gefahren. Mein Kommentar: Alle Modelle gehören schon neu auf den Schrottplatz! Laute Motoren, eine katastrophale Verarbeitung (Polter- und Quietschgeräusche etc.), unharmonische Fahrwerke, enge Platzverhältnisse, viel zu dunkel getönte Scheiben, geringe Kopffreiheit, billiges schwarzes Interieur usw. etc. Ich habe die Suche nach einem passenden Auto - aus Protest! - aufgegeben. Den Micra habe ich noch nie geputzt. Ich steige einfach ein und fahre los. El etc. kontrolliere ich an dieser Karre auch nicht. Wenigstens ist die Kiste robust; sie verträgt selbst die brutalste Fahrweise. Ich hasse dieses Auto (...). [Anmerkung: Aus Hass wurde mit der Zeit noch "Liebe"...]
Ein grosser Vorteil hat der Micra: ich fahre nur noch soviel, wie ich unbedingt muss. So hat man mehr Zeit für anderes, spart Geld und belastet die Umwelt weniger.
Was gibt es sonst zu berichten? Nicht sehr viel. Der Sommer ist hier abgelaufen, ohne, dass man viel von ihm gespürt hätte (diesen Eindruck teilen viele Leute, mit denen ich geredet habe). Schon jetzt - gegen Ende August - hat es am Morgen Nebel. Bald ist schon Herbst und darauf wieder trüber Winter. Und dann geht's wieder weiter im selben Trott.
Dass es irgendwo in der Schweiz anders bzw. besser sein könnte, diese Hoffnung habe ich aufgegeben. Kürzlich fuhr ich mit dem Zug nach Bern. Anhand der Häuser (den Wohnverhältnissen ganz allgemein), kann man auf einer solchen Fahrt sehr gut auf die Mentalität der Leute schliessen. Die Mentalität der Luzerner deckt sich mit der Mentalität ihrer "Chnuschti-Häuser" und "Ortschäftli". Ein wichtiges Indiz für die gesellschaftliche Beurteilung ist mir neu die Tierhaltung geworden. Dort, wo Tiere gut gehalten werden (in schönen Freilaufställen usw.), ist auch die Mentalität der Menschen gut. Die vielen Schweinefabriken im Kanton Luzern sprechen für sich.
Ob es anderswo besser ist? Wenn ich mir im Fernsehen anschaue, was in anderen Ländern läuft, stimmt mich das nicht hoffnungsvoll. Gestern sah ich im "Spiegel TV" eine russische Frauenklinik, in der Abtreibungen vorgenommen wurden, Kinder zur Welt kamen etc. Dieses Spital wurde als "gute Privatklinik" bezeichnet. Die Räumlichkeiten erinnerten eher an einen Schlachthof (und das "medizinische Personal" an MetzgerInnen). Furchtbar! Eine nackte junge Frau wurde von einem "Schragen" auf einen anderen geworfen (!). Eine Abtreibung ist doch für eine Frau sonst schon eine schwere psychische und physische Belastung - und dann noch an einem solchen Ort! Und welchen ersten Eindruck von der Welt muss ein Neugeborenes in einer solchen "Metzgerei" bekommen!
Die Lebensumstände, unter denen die Leute litten/leiden, werden weiter reproduziert. Wie soll man da optimistisch sein können?
Dass die überwiegende Masse der Menschen unserer Gesellschaft psychophysisch bzw. biologisch krank sein muss, zeigt jede Tagesschau. Und dass es früher besser gewesen sein soll - wer kann das beurteilen? Die Geschichte ist eine "Geschichte von Mord und Totschlag". Das Schlimmste: die Leute lernen aus ihren Fehlern nicht. Die Abholzung des Regenwaldes geht weiter, chemische Kampfstoffe werden verbrannt, genmanipulierte Lebensmittel kommen auf den Markt etc.
Die Thematik, die ich hier beschreibe, ist nicht neu. Aber sie beschäftigt mich immer und immer wieder. Das Schlimmste ist der "kleine verantwortungslose, freiheitsunfähige Mann", der all diesen Wahnsinn produziert oder - gleich was passiert - schweigt. Kürzlich brachte das Schweizer Fernsehen einen interessanten Beitrag. Es ging um folgendes: Im Kanton Uri machte das Schweizer Militär während dem II. Weltkrieg Versuche mit neuartigen Nebelgranaten. Der Wahnsinn: diese Nebelgranaten waren hochgiftig! Tausende von Kühen, Rindern, Kälbern usw. gingen ein. Die Leute bekamen Ausschlag, die Milch und der Boden waren verseucht. Und dann die Reaktion der betroffenen Urner Bauern: Anpassung, ducken gegenüber dem EMD, kriechen - wie Sklaven. Und tatsächlich: Nicht nur diese Urner Bauern, die meisten Leute überhaupt sind bis heute Sklaven geblieben. Sie können nicht frei denken, sondern nur in engen Grenzen. (...) Positive Impulse sind jeweils nur von wenigen Einzelindividuen zu erwarten (...).
Themawechsel: Den Peugeot 306 XR habe ich im Juli an einen netten Ex-Jugoslawen (Chauffeur) mittleren Alters aus Zürich verkaufen können. Seine ganze Familie freute sich sehr (und ich mich auch). Du weisst, dass ich gegenüber J. Vorbehalte habe, aber diese Jankovic's waren flotte Leute. Ich machte ihm deshalb auch einen günstigen Preis: Fr. 14'000.--. Kari Eichhorn besorgte die Ablieferung (Papiere, waschen etc.). Auch Kari meinte, dass er diese netten Ex-Jugoslawen den meisten heutigen Schweizern vorziehe.
Ist Jörg tatsächlich in die Schweiz gekommen? Ich habe nichts von ihm gehört.
(...) Momentan bin ich im Besitz von 1'800 Digital Equip. Aktien sowie 2'000 Battle Mountain Gold Aktien. Den grössten Posten Digital habe ich für (etwas zu teure) $ 39.875 gekauft, Battle Mountain Gold für $ 8.50. Der Dollarkurs war ca. bei Fr. 1.20. Wenn's dumm geht, werde ich Geld verlieren - mit Glück gewinnen! Mal schauen.
Ist das Haus in der Allerheiligen jetzt verkauft?
Viele liebe Grüsse
Urs

PS: Ich wünschte, Ihr würdet wieder in die Allerheiligen zurückkehren und es wäre so wie früher. Aber wahrscheinlich würde Dir das - verständlicherweise - nicht gefallen. Ist Neuseeland soviel besser? Gibt es dort echte Lebensqualität? [Anmerkung: Man sollte Altem nicht nachtrauern.]

 


Schwyz, den 2.10.96

Lieber Bert
Herzlichen Dank für Deinen Fax vom 27.8.96.
Ich habe schon fast ein schlechtes Gewissen, dass ich Dir erst jetzt schreibe. Die ganze Buchhaltung ist auch während Wochen liegengeblieben. Und entschuldige, dass ich mich heute kurz fasse.
Mutter musste gestern in der Nacht notfallmässig ins Spital eingeliefert werden - schwere Lungenentzündung. Sowohl sie wie auch ich waren gegen das Spital. Schliesslich hatten wir aber keine andere Wahl; sie wäre sonst wahrscheinlich mit dem schweren Asthma erstickt. Ich hoffe inständig, dass alles gut herauskommt und die im Spital keinen Mist bauen.
So schlimm wie jetzt war Mutter noch nie dran. Sie hatte so starke Atemnot, dass Hans Betschart und ein anderer Rettungssanitäter sie mit einem speziellen Stuhl hinuntertragen mussten - anschliessend auf eine Trage und dann mit dem Rettungswagen ins Spital. Die verdammte Lungenentzündung ist so schlimm, dass sie sogar Sauerstoff haben muss.
Den "Digital"-Kurssturz konnte ich noch knapp abfangen (aber leider etwas zu spät). Fr. 10'000.-- hätte ich locker verdienen können. Ich dachte jedoch, die Kurse würden weiter steigen - nun trat das Gegenteil ein. Glücklicherweise ist es ja "nur" Geld.
An den vergangenen schönen Herbsttagen dachte ich oft an Dich, mein lieber Bert. Ich hätte den R5GT Turbo nie verkaufen sollen. Und heute wäre ich froh, ich hätte den R14 restaurieren lassen (träume immer noch von ihm...). So schön wie mit diesen beiden Autos werden Bündnerland-Ausflüge wohl nie mehr sein.
Ich habe neulich zufällig noch "Herrn Garaventa" getroffen; er erzählte mir von Neuseeland. Vom Haus Deines Vaters hat er besonders geschwärmt und gesagt, dass sich auch Dein Haus an einer sehr schönen Lage befinde. Die Leute seien sehr nett, Christchurch sei die "englischste" Stadt ausserhalb Grossbritannien etc. usw.(...)
Ich hoffe, dass Ihr alle wohlauf seid und das Leben in Neuseeland geniesst. Jetzt wird bei Euch wohl schon der Frühling Einzug halten.
Viele liebe Grüsse
Urs


Schwyz, den 24.10.96

Lieber Bert
Vielen lieben Dank für Deinen Fax und die Genesungswünsche! Mutter geht es glücklicherweise wieder besser.
Entschuldige, dass ich mich heute äusserst kurz fasse - ich bin momentan ziemlich im Stress. Sehr viel ist in den vergangenen Wochen liegengeblieben. Im Büro herrscht Chaos. (Muss erst einmal wieder Ordnung schaffen...)
Ich hoffe, dass Du den Frühling geniesst und Ihr alle wohlauf seid!
Viele liebe Grüsse
Urs

 


Schwyz, den 31.10.96

Lieber Bert
Soeben habe ich Dein Fax erhalten. Vielen lieben Dank!
Ich bin momentan immer noch stark im Stress. Es gibt positive Neuigkeiten: Der Verein gegen Tierfabriken von Erwin Kessler hat im Kanton Schwyz Schweineställe unter die Lupe genommen. Grauenhafte Zustände! Unter dem Titel "Grauenhafte Schwyzer Schweinefabriken" schrieb Kessler einen hervorragenden Artikel. Ich habe dann die Bilder inkl. Name und Adresse der Tierquäler veröffentlicht, z.B. Thomas Schmid in Ibach, Walter Kälin in Bennau, Dominik Schuler in Immensee etc. (So etwas hat's in unserer Region vorher noch nie gegeben...)
Wir werden weitere Aktionen machen und die Tierquäler immer und immer wieder an den Pranger stellen. (...)
Zu sehen, wie viele Tiere in Schwyzer Ställen zu leiden haben, macht mich unglaublich zornig. Ich könnte diese Schweinemäster in Mike-Tyson-Manier spitalreif prügeln.
Erwin Kessler macht seine Arbeit hervorragend. Er ist sensibel, intelligent, mutig und kompromisslos. Es bereitet mir eine riesengrosse Befriedigung, mit ihm - einem lebenden Revolutionär! - zusammenzuarbeiten. [Anmerkung: Im Jahre 2003 wird sich dann Beelers Euphorie gegenüber Kessler endgültig legen.]
Dass Ihr das Haus in Rickenbach nicht verkauft, sondern vermietet [Anmerkung: Dies trat aber nicht ein.], finde ich sehr gut. Denn so ist nichts verloren und Du kannst es später einmal immer noch als Schweizer Sommerresidenz gebrauchen. (Schön wäre, Schwyz so umzubauen, dass Du einmal sagen kannst: "Doch, jetzt gefällt's mir. Sechs Monate pro Jahr halte ich es gut aus...") [Anmerkung: Beelers Phantastereien...]
Betr. der M.-P.: Ich komme mir schon bald vor wie eine österreichische Verwaltung. Es ist allerhöchste Zeit, das Ganze einer Schlankheits- und Fitnesskur zu unterziehen. [Anmerkung: Die alten Vorsätze...]
Das wär's für heute. Ich denke oft an Dich, mein lieber Bert. Bei strahlendem Herbstwetter kommen viele schöne Erinnerungen hoch. Gestern erzählte ich Mutter und Kinski, wie wir einmal mit dem R5 GT Turbo (mit Cup-Fahrwerk) in hübschem Tempo den Oberalp-Pass hinauffuhren und Du auf der Passhöhe sagtest: "Da war jeder Gangwechsel perfekt. Schneller kann man mit einem solchen Auto nicht mehr hinauf." - Herrlich!
Heute gab ich die Geschichte vom halb gefrorenen Kühlwasser und Starten des R5 auf der Lenzerheide bei kalten Temperaturen (morgens) zum Besten. Es wäre schön, wenn wir irgendwann wieder einmal - sei es in 10 oder 20 Jahren - solche Unternehmungen machen könnten.
Hat es in Christchurch auch hübsche blonde "Miami-Girls"?
Ich hoffe, dass Du den Frühling geniesst und Ihr alle wohlauf seid!
Viele liebe Grüsse
Urs


Schwyz, den 29.12.96

Lieber Bert
Vielen Dank für Deinen Fax vom 25.12.96!
Zuerst eine traurige Nachricht: Charly ist am Samstag, den 16.11., gestorben. Zuvor war mein lieber Freund noch recht munter. Anfangs der betr. Woche war die schlimme Krankheit (oder war es einfach Altersschwäche?) ausgebrochen. Das Tierchen hatte plötzlich Probleme mit dem Stuhlgang. Ferner litt es unter Gleichgewichtsstörungen; es fiel gelegentlich aus unerklärbaren Gründen vom Stengel auf den Boden (glücklicherweise ohne sich zu verletzen).
Kinski hatte Wochen zuvor das Wasser-Geschirrli mit einem Klebstreifen ("Chläbi" oberhalb des Wasserstandes) repariert. Kann es sein, dass etwas Klebstoff unglücklicherweise ins Wasser gelangt ist und schliesslich Charly dadurch krank wurde? Ich weiss es nicht. Da diese Reparatur aber nur ein einziges Mal erfolgt war, müsste der ev. vorhandene Klebstoff in den darauffolgenden Wochen ausgeschwemmt worden sein. (Nachträglich mache ich mir jedoch trotzdem Vorwürfe, dass wir das Geschirrli nicht auswechselten.) Und: Charly hat in früheren Jahren oft am reparierten Käfig "herumgeknabbert" - auch an "Chläbi" - ohne, dass es ihm etwas gemacht hätte.
Charly war an diesem Samstag dermassen körperlich schwach, dass er nicht einmal mehr stehen konnte. Ich nahm ihn, legte ihn sanft auf meine Handfläche und streichelte ihn. Sein kleiner Körper war glühend heiss. Er schaute mich todunglücklich an; er wusste, dass er sterben würde. Mir tat das arme Geschöpflein so leid! Auf Drängen von Mutter und Kinski legte ich Charly dann ganz sorgfältig zurück in seine Behausung auf den Boden. Die Füsschen des Tierchens waren eng an seinem Körper. Charly überkamen kurz noch unkontrollierte Zuckungen, die ihn halb auf den Rücken warfen. Dann war er tot. (Das treue, liebe Tierchen hatte trotz Schmerzen bis am Morgen durchgehalten um sich - wie es scheint - von mir zu verabschieden.)
Du glaubst nicht, wie sehr wir dieses liebenswerte Geschöpflein die ersten Wochen (und auch jetzt noch) vermissten. Charly war völlig zahm und kam gerne zu mir, um gestreichelt zu werden. Ich wusste genau, was jeder Pfiff von ihm zu bedeuten hatte, ob er sich über den Staubsaugerlärm ärgerte (und deshalb in einen anderen Raum gebracht werden wollte) oder mich zum Mittag- oder Abendessen begrüsste. Das Verhältnis war wie das zu einem sehr guten Menschen. Für mich hatte Charly "menschliche Züge". Besucher wunderten sich immer über die "unglaubliche Beziehung" und waren erstaunt, dass ein so kleines Tierchen "so intelligent wie ein Mensch" sein kann.
Dass mein kleiner Freund jetzt nicht mehr lebt, hat mich emotional stark berührt. Ein Trost habe ich, dass wir zu diesem netten Lebewesen die ganzen 12 Jahre (so alt wurde Charly) sehr gut geschaut haben (jeden Tag sauber gemacht, frisches Wasser und Futter, ein "vollwertiges Familienmitglied").
1984 bekamen wir Charly und Daisy als Pärchen. Ich sagte mir "Wenn diese Tiere schon nicht in Freiheit geboren worden sind, so sollen sie es wenigstens in der 'Gefangenschaft' möglichst schön haben." Als Daisy 1990 starb, war Charly dermassen traurig, dass er selbst fast auch gestorben wäre. Ich habe mich dann mit ihm so intensiv beschäftigt, dass er wieder Lebensmut fand. All die Jahre habe ich durch den engen Kontakt mit ihm sehr viel gelernt. Wir hatten auch viel Spass mit diesem intelligenten, lustigen Vogel, der mich jeden Tag zum übermütigen Spiel aufforderte und fein gestreichelt werden wollte.
"Es ist ja nur ein Tier...", sagen die "Normalmenschen". Ich sage: Erst, wenn der Mensch in vollkommener Harmonie mit den Tieren und der Natur lebt, wird es Frieden und Glück auf dieser Welt geben.
Was mir am Leben von Charly aufgefallen ist: dieses Geschöpflein hat nie (wie es bei Menschen "normal" ist) schlecht gehandelt. Als sich einmal eine Mücke in sein Käfig verirrte, vertrieb Charly sie mit lustigen Schnabelbewegungen (er hätte sie locker schnappen können, tat es jedoch nicht). Charly starb so unschuldig wie ein Baby. Dass das im Körper dieses Vogels personifizierte Gute so einfach aus der Welt verschwunden ist, machte mich sehr traurig.
Wir beerdigten Charly neben einem Rosenstock in unserem Garten.
Ich weiss noch, wie traurig Du warst, als Boris starb. Wir machten darauf einen Ausflug über den Lukmanier, um von diesem unglücklichen Ereignis abzulenken. Ich glaube, Du kannst gut verstehen, wie ich mich fühlte, als Charly starb.

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Zum Glück stand in den darauffolgenden Wochen viel Arbeit an, so dass ich mich gedanklich mit total anderem befassen musste. Der Konkurrenzkampf auf dem Inseratemarkt ist noch härter geworden. Die Leute sind auf einem regelrechten Spartrip. Mit Glück habe ich es geschafft, dass ich im Januar wieder herauskommen kann.
Ich will jedoch nicht jammern. In den vergangenen Jahren habe ich gravierende Marketing-Fehler gemacht, zu wenig auf einen interessanten Inhalt geschaut usw. Natürlich kann ich mich dafür auch rechtfertigen und sagen: "Es ging damals nicht anders, die Mittel fehlten oder das Wissen war nicht vorhanden". Nur nützt das nichts. Der Markt ist "unerbittlich".
Meine Einsicht ist heute: Man scheitert nie an den anderen, sondern immer nur an sich selbst. [So pauschal kann man das nicht sagen!] Wenn ich mehr Inserate verkaufen will, muss ich die Mythen-Post massiv besser machen. Ich muss flexibler und marktorientierter werden. In diesem Jahr sind ein paar gute Ausgaben geglückt. Auf dieser Basis gilt es aufzubauen.
Vor allem muss ich lernen, die Zeit am richtigen Ort einzusetzen. Wie beim einem russischen Kraftwerk verpufft bei mir allzu oft nutzlos viel zu viel Energie. Leistung bedeutet Arbeit pro Zeit. Was zählt, ist nur, was letztlich als fertiges Produkt herauskommt.
Ein persönliches Problem von mir war ferner, dass ich mich in den vergangenen Jahren viel zu viel habe frustrieren lassen. Gewisse Leute muss man als Kunden einfach "abschreiben". Die Theorie Deines Vaters "Faust im Sack" ist falsch. Eine langfristige Geschäftsbeziehung läuft nur, wenn man sich versteht und dieselbe Sprache spricht. Die Taktik "Faust im Sack" und mit Arschlöchern Geschäfte machen, fliegt früher oder später auf. [Anmerkung: Beeler ist zu Kompromissen nicht fähig!]
Natürlich würde es mich (finanziell) reizen, jeden als Kunden zu gewinnen. Aber das ist nun einmal nicht möglich. Hier das Unmögliche erreichen zu wollen, ist reine Zeitverschwendung. Man muss sich auf die guten, treuen Kunden konzentrieren und diese gut bedienen. Die Idioten, die seit Jahren nichts machen wollen, muss man links liegen lassen.
Mit meinen Aktien hatte ich in den vergangenen zwei Jahren auch nur mässigen Erfolg, weil ich auf das "Unmögliche" setzte. Ich setzte primär auf spekulative Aussenseiter. Grosse Gewinne machten jedoch die, welche auf grosskapitalisierte (relativ sichere) Wachstumstitel setzten. - Wie sind Deine Börsenprognosen für 1997? Wird der Dollar auf Fr. 1.40 klettern?
Ob M.-P. oder Börse: wichtig ist die Gesundheit (vor allem die von M.). Mein grösster Wunsch für 1997!

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Dass Stöcklin Euer Haus gekauft hat - über diese Nachricht war ich nicht gerade glücklich. Mir wäre lieber gewesen, Ihr hättet es vermietet. Umgekehrt kann ich verstehen, dass Dein Vater froh darüber ist, dass es endlich geklappt hat. Mit dem Geld lässt sich in Neuseeland sicher mehr machen. Kinski hat gesagt, falls Du doch einmal in die Schweiz zurückkehren möchtest, Du jederzeit bei uns eine eigene Wohnung haben könntest. (Das habe ich Dir ja auch schon versprochen!)
Was macht Ihr geschäftlich? Ist Dein Vater im Immobilienhandel eingestiegen und machst Du die Verwaltung? Oder läuft das Geschäft weiter mit F. etc. wie in Rickenbach? Oder hast Du Dich selbständig gemacht? Wie läuft's bei Jörgs Velo-Camp?
Da Ihr in der "Nähe des Fernen Ostens" seid, habe ich mir auch schon überlegt, ob man nicht neue Produkte in die Schweiz importieren könnte. Oder ist der Markt bereits abgedeckt? Was meint Dein Vater? ("Urs soll sich erst einmal um die M.-P. kümmern...")

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Abschliessend noch etwas Unterhaltsames. Ich habe kürzlich längere Zeit wieder einmal mit Ste telefoniert. Unglaublich, wie der Bursche sich entwickelt hat (wobei er immer noch derselbe ist...). Er hat mir von Kopenhagen erzählt, wo er und Che von der schönsten Frau, die sie je gesehen hätten, in einem Restaurant bedient wurden. Sie seien beide sprachlos gewesen und hätten sich gegenseitig nur noch angeschaut (sogar der anspruchsvolle Che war so fasziniert!).
In Washington seien sie von zwei jungen Brasilianerinnen angesprochen worden, ob sie auch aus Brasilien kämen. Wieder seien sie - worüber sie sich im nachhinein ärgern würden - "sprachlos" gewesen. Sie hätten "falsch reagiert".
Ste erzählte, dass er in diesem Jahr mit einem Freund in der Türkei in einem 4-Stern-Hotel Ferien gemacht habe. Dabei sei er von einer jungen Russin angemacht worden... Es war herrlich, wie er die Story zum Besten gab.
Ich staune, wo Che und Ste schon überall gewesen sind: Miami, Washington etc. Nicht einmal St. Pauli haben sie ausgelassen! Nach Hamburg reisten sie mit P. und K., weil Ste zuvor an der Lunge operiert worden war und deshalb nicht mit dem Flugzeug - wie geplant - in die USA reisen durfte.
In St. Pauli lösche es einem ab, sagte Ste. Und auch Che meinte, dass es dort "übertrieben" sei. Von der Neugierde getrieben, seien sie bei einem kurzen Spaziergang in der Nähe von ihrem Hotel am Bahnhof fast in einem "Drogenviertel" gelandet, hätten aber wieder frühzeitig "gewendet", weil es dort "nervöse Typen" gehabt habe...
Apropos "nervöse Typen". Am Escher-Wyss-Platz in Zürich wollten drei junge Jugos Ste und ein Kollege von ihm "ausrauben". Obwohl die beiden ca. Fr. 120.- bei sich hatten, hätten sie den Jugos erklärt, dass bei ihnen kein Geld zu finden sei. Die Situation sei zusehends kritischer geworden und auch er - Ste (196 cm gross!) - sei "nervös" geworden. Dem Jugo-Anführer habe er schliesslich gesagt: "Wenn Ihr jetzt de ned dönd ufpassä, chömid Ihr eis fadägrad über... " - Ich habe mich über diese Story köstlich amüsiert. Aggressive, junge "kriminelle" J. - und ihnen gegenüber der grossgewachsene, "coole", selbstbewusste und unnachgiebige Ste.
Ste interessiert sich total für hübsche Frauen. Er kenne ein Lokal (der Namen des Ladens klang südamerikanisch), wo es die "hübschesten Frauen von ganz Zürich" gäbe. Wenn es stimmt, was er sagt, werde ich mit ihm im Frühling dort einmal umsehen. (Man muss Neuem gegenüber ja immer offen sein...)
So, das wär's für heute. Ich wünsche Dir alles Gute für 1997 (und auch Mutter und Kinski lassen die besten Neujahrswünsche ausrichten). Geniesse das Leben in Neuseeland!
Hier ist es ziemlich kalt (ca. minus 10° C). Wenn Wind herrscht, hat man das Gefühl, es sei gar minus 30°C.
Viele liebe Grüsse
Urs

 


 

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