KZ-ähnliche Zustände in Schwyzer Schweinefabriken – und die Behörden tun nichts

Von Dr. Erwin Kessler

KZ-ähnliche Zustände sind keine Ausnahme, sondern die Regel in der Schweinehaltung im Kanton Schwyz. Kein Wunder: Auf Anzeige hin unternehmen die Behörden nichts. Der VgT hat Betriebe überprüft, welche vor ein paar Jahren angezeigt wurden: die gleichen grauenhaften Zustände. Was würde wohl der freiheitsliebende Tell sagen, wenn er die unschuldigen Tiere in seiner Heimat in derart schrecklichen Gefängnissen dahinvegetieren sähe? Hat es sich gelohnt, für ein solches Volk zu kämpfen, das seine Freiheit und seinen Wohlstand zu schwersten Verbrechen gegen seine Mitgeschöpfe missbraucht?

VgT geht Missständen vor Ort nach
Aufgefallen bei den Recherchen im Kanton Schwyz ist folgendes: Wo immer die Tierschützer des VgT auf den für die Missstände verantwortlichen Tierhalter stiessen, vermutete dieser sogleich Leute des „Tierschützers Kessler“. Offenbar gibt es keine andere Tierschutzorganisation in der Schweiz, die den Missständen vor Ort nachgeht. Weil die Nutztierhalter eine wirtschaftlich und politisch starke Lobby haben und die Agro- und Fleischmafia in Regierung und Gerichten Rückhalt findet, werden die Nutztiere kläglich im Stich gelassen – wenn es den VgT nicht gäbe. Aber noch hat es dieser Staat, der die gewerbsmässigen Tierquäler nicht bestraft, sondern subventioniert und den VgT mit kostspieligen Gerichtsverfahren, Hausdurchsuchungen und Willkürurteilen zu zermürben versucht, nicht geschafft, dass der Nichtvollzug des Tierschutzgesetzes vor der Öffentlichkeit völlig verborgen ablaufen kann, wie in den 80er Jahren, als es den VgT noch nicht gab.

Bennau (bei Einsiedeln), an einem abgelegenem Ort, wo kaum je ein Fremder und sowieso nie ein Schwyzer Tierschutzbeamter vorbeischaut: Schlimmer als ein KZ. Stall vollgepresst mit total kotverschmierten Schweinen. Diese Tiere, die nie freiwillig in ihren eigenen Kot liegen würden, müssen ihr ganzes Leben in einer den ganzen Boden bedeckenden Sauce aus Kot und Urin verbringen. Darin müssen sie liegen und schlafen. Beim Schlafen liegt ihre hochempfindliche Nase direkt in der Gülle. Darum sind sie bis über die Ohren kotverschmiert.

Schweine sind hochsensible, intelligente Tiere, vergleichbar mit Hunden
Wegen ihrer Intelligenz haben sie ein grosses Bedürfnis nach Abwechslung und Spielmöglichkeiten. Ich habe beobachtet, wie junge Schweine in tierfreundlichen Ställen im fröhlichen, übermütigen Spiel frisches Stroh in die Luft schleuderten und herumrannten. Abends bauen Schweine gerne ein gemeinsames Schlafnest. Sie schieben mit dem Rüssel das Stroh zusammen, machen ein weiches Nest und kriechen gemeinsam hinein. Von Natur aus trennen Schweine Kot- und Liegeplatz streng; freiwillig liegen sie nicht in den eigenen Kot.

Dreistöckige Schweinefabrik von Viehhändler Joseph Ott-Schibig, Küssnacht, Brüschhalde.

 

Die Tiere verbringen ihr „Leben“ im Halbdunkeln, in eintönigen feuchten Buchten, ohne jegliche Beschäftigung.

 

Die Mutterschweine können sich in den Kastenständen nicht einmal umdrehen. Die gesetzlich vorgeschriebene Einstreu und Beschäftigung fehlt.

 

So müssen die Tier-Kinder aufwachsen.


In tierquälerischen Intensivhaltungen sind die Tiere gezwungen, ihr ganzes Leben in extremer Enge und Eintönigkeit zu verbringen
Spielverhalten betrachten die Tierforscher als Ausdruck von Wohlbefinden. In solchen Ställen sieht man die Tiere nie spielen, nie herumspringen. Sie sind apathisch geworden in der ausweglosen Situation. Zwischendurch vollführen ältere Schweine langanhaltend die gleichen stereotypen Bewegungen, z.B. Herumbeissen an den Käfigstangen. Diese neurotische Störung nennt man Stangenbeissen. Sie entsteht als Folge der extremen Langeweile in den völlig reizlosen engen Buchten, wo die Tiere lebenslänglich nur immer die kahlen Wände zu sehen bekommen. Sie sehen nie die Sonne, den Himmel, Pflanzen, Erdboden zum Wühlen. Immer nur den gleichen dunklen, feuchten, dreckigen Boden und die kahlen Wände. Gemäss Tierschutzverordnung dürfen pro Quadratmeter zwei Schweine gehalten werden – soviel Platz brauchen sie gerade zum Stehen oder Liegen. Das Bundesamt für Veterinärwesen hat damals einfach die praxis-üblichen tierquälerischen Haltungsbedingungen als „Vorschriften“ in die Verordnung übernommen. Und dabei ist es bis heute geblieben. In dieser für die Tiere katastrophalen Situation nützen die Schwyzer Behörden nicht einmal die verbleibenden Möglichkeiten aus, um den Tieren wenigstens minimalste Erleichterung in Form einer Beschäftigungsmöglichkeit und eines trockenen Liegeplatzes zu gewähren.

Auch das ist übler Schwyzer Tier-Alltag, aufgenommen in Brunnen: Junge, spielfreudige Tiere, die gerne herumspringen würden, Tag und Nacht an der Kette. Man beachte: Die Ketten sind so kurz, dass das Kalb nicht einmal den Kopf ganz aufrichten kann.

 

Zwanzig Jahre Nichtvollzug des Tierschutzgesetzes haben gezeigt: Jede Hoffnung auf Demokratie und Rechtsstaat zur Beseitigung dieses Tierelends wäre eine Illusion
Der VgT hat schon alles versucht: Anzeigen an die Tierschutz- und an die Strafbehörden bewirken ebensowenig wie Petitionen an das Kantonsparlament und eine Aufsichtsbeschwerde an den Bund: Die Fleisch- und Agro-Mafia hat auch in diesem Kanton ihr Milliardengeschäft fest im Griff. Die Schwyzer Regierung hatte sogar die Kaltblütigkeit öffentlich zu erklären, sie werde von sich aus keine Ställe auf Einhaltung der Tierschutzvorschriften kontrollieren. Und wenn dann der VgT zur Selbsthilfe greift, unter Inkaufnahme von Hausfriedensbruchklagen in die Ställe geht, photografiert und Anzeigen macht, geschieht auch nichts. Im Kanton Schwyz herrschen Zustände, als ob es überhaupt kein Tierschutzgesetz gäbe.

Leben auf Spaltenböden. Aufnahme aus einem Schweinemastbetrieb in Goldau.

 

Schweinestall einer Molkerei etwas ausserhalb von Muotathal. Keine Beschäftigung, kein trockener Liegeplatz. (Anm. dieser Schweinestall ist aussen zusätzlich noch mit juckender Mineralwolle isoliert).

 

Schweinestall der Molkerei Graf an der Grundstrasse, Schwyz. Das übliche Bild: kahle, dreckige Buchten.

 

Winziger Betonauslauf – warum nicht grösser? Es hätte Platz genug. Als Alibi-„Beschäftigung“ für je ca. 30 Schweine dieses Stück Holz. (Positiv: In der Zwischenzeit wurde die Schweinehaltung eingestellt.)

Der einzige Lichtblick, welcher eine Tierschutz-Tour durch den Kanton Schwyz bietet, sind die immer wieder anzutreffenden stillgelegten Schweineställe
Der Trend weg vom Fleisch wirkt offensichtlich! In Dankbarkeit gegenüber der zunehmenden Zahl der Vegetarier gedenken wir all den erlösten Opfern, die früher auch in diesen Mastfabriken dahinvegetierten.


Dieses Buch kann direkt beim Autor bestellt werden:

Verein gegen Tierfabriken
Dr. Erwin Kessler
Im Buehl 2
9546 Tuttwil
Tel. 052 378 23 77
Fax 052 378 23 62

 

Zitat:
„Vor 130 Jahren hat die Kirche geschwiegen, weil es nur Schwarze waren. Vor 60 Jahren hat die Kirche geschwiegen, weil es nur Juden waren. Heute schweigt die Kirche, weil es nur Tiere sind.“
Pfarrerin Christa Blanke


Tierschutz