Was KonsumentInnen wissen müssen

Die Nerze gehören zur Familie der Marder und sind sehr gute Schwimmer und Taucher. Dafür benötigen sie ein dichtes Fell, welches ihnen zum Verhängnis wurde. Sie sind extrem bewegungsfreudig und flink. Ihr Lebensraum sind Schilf – oder Unterholz – an See-, Bach- und Flussufern. Das Wasser ist ihr Lebenselement. Sie brauchen das Wasser aber auch zur Abkühlung in den heissen Sommermonaten. Das Revier dieser Einzelgänger ist ca. 20 Quadratkilometer gross.

Massenzucht
Früher musste man Pelze aus wilden Nerzen, die relativ schwer zu fangen sind, teuer herstellen. Seit damals sind Nerzmäntel ein Statussymbol, obwohl sie heute zum erschwinglichen Kaufhausartikel geworden sind. Wir „verdanken“ das der Massenzucht in riesigen Tier-KZ’s: Nerze, die bis zu 60 cm lang werden können, werden in winzige Käfige auf einen Viertel Quadratmeter oder weniger gesperrt – ein Käfig neben dem andern. Sie stehen unter permanentem Stress, denn sie können als Wildtiere die Nähe von Artgenossen nicht ertragen.
Um sie noch enger in einem Käfig zu halten, werden ihnen regelmässig Psychopharmaka verabreicht. Ohne Chemie würden sie das kostbare Fell beschädigen, denn oft führen sie sich gegenseitig schwere Bisswunden zu, bis hin zu blutigen Selbstverstümmelungen. Auch zur Vorbeugung der vielen Krankheiten und zur Manipulation der Befruchtung darf die Pharmaindustrie am Leiden der „Pelztiere“ mitverdienen.

Grausame Käfighaltung
Damit der Pelz möglichst dicht wird, setzt man die Nerze auch im extremen Winter ungeschützt der Witterung aus. Kälte und Wind müssen gut durch die Käfige durchblasen können. In extremen Wintern können so tausende durch Schnee und Wassermangel verenden. Im Sommer sterben sie dafür in der Hitze, da ihnen die Bademöglichkeit fehlt. Auch die Nerzmütter beissen ihre Jungen tot, wenn sie nicht bereits tot geboren werden. Einkalkuliertes „Risiko“: ca. 30% der Jungtiere verenden.

Frostschutzmittel als Futterbeimischung
Der Futterbrei wird den Tieren auf das Käfigdach gespritzt; er enthält Frostschutzmittel, damit es nicht festfriert. Beim Ablecken durch das Gitter frieren bei Minusgraden die Zungen der Tiere am z.T. Metallgitter fest. Beim Befreiungsversuch kann es vorkommen, dass sie sich Teile oder sogar die ganze Zunge aus dem Mund reissen… Solange das Fell nicht beschädigt wird, müssen sie weiterleben.

Qualzüchtungen
Um besonders „schöne“ Fell-Mutationen zu erzielen, werden den Nerzen aus reiner Profitgier noch jede Menge Qualzüchtungen auferlegt, durch die sie extrem krankheisanfällig oder gar lebensunfähig werden: So neigt z.B. der blaue „Aleulen Nerz“ zu Schleimhautblutungen und Fehlgeburten, der „Royal Pastell“ zu verdrehter Kopfstellung und Gleichgewichtsstörungen; bei Erschrecken überschlagen sich die Tiere vor Angst. 20% der weiblichen „Shadow“ haben deformierte Geschlechtsorgane. Und der weisse „Hedlund White“ ist völlig taub.

„Erntezeit“
Ende November sind die Nerze reif für die „Ernte“. Die häufigste und kostengünstigste Mordmethode ist der Genickbruch durch Verdrehen des Halses. Kleiner „Nachteil“: Bei hunderten von Tieren erlahmen recht schnell die Kräfte des „Exekutoren“, die Tiere müssen nach einigen Minuten nochmals „nachgedreht“ werden.
Sehr rationell und billig ist auch das Vergasen in einer Kiste, in die Kohlendioxid oder einfach die Abgase von Traktoren geleitet werden. Bis zum Eintritt des Todes durch Ersticken vergehen lange, qualvolle Minuten, die Tiere schreien und rasen gegen die Wände. Ärgernis für die Züchter: In der Todesangst werden häufig die Felle verschmutzt.
Oft verwendet wird deshalb auch die Todesspritze, geliefert vom Tierarzt, ausgeführt von einem Hilfsarbeiter: Laut „Gebrauchsanweisung“ soll sie direkt ins Herz gespritzt werden, was allerdings nicht einmal ein Tierarzt schafft, geschweige denn ein unter Zeitdruck stehender Arbeiter. Die Tiere kämpfen daher noch minutenlang mit dem Tod.

Tierbefreiungsfront befreite 300 Nerze
In der Schweiz gibt es keine Nerzzuchten, aber im Nachbarland Österreich. Gemäss einer Pressemitteilung des VgT Österreich drangen im Sommer 1997 10 maskierte Tierbefreiungs-Aktivisten in eine Pelztier-„Farm“ bei Heidenreichstein (Waldviertel, NÖ) ein und befreiten ca. 300 Nerze aus ihren engen Drahtgitter-Käfigen. Sie wurden jenseits des Gefängniszauns in die wald- und seenreiche Umgebung entlassen. Damit wollten die Tierschützer einerseits den Tieren eine reelle Chance zum Überleben in der ihnen angestammten freien Wildbahn geben – in den Käfigen hätte sie der sichere Tod durch Vergasen oder Genickbruch erwartet, um als 60. Teil eines Bekleidungsstücks zur Befriedigung menschlicher Eitelkeit zu dienen. (ALF)


Tierschutz