Fragen an die Mythen-Post

Franz Müller, Seewen, stellte Urs Beeler einige Fragen.

Seit dem Bericht über die Schwyzer Schweinefabriken wurde Ihre Zeitschrift von diversen Gewerbetreibenden boykottiert. Wenn Sie gewusst hätten, auf was Sie sich einlassen, würden Sie sich anders verhalten haben?
Journalistisch-ethisch war das Vorgehen der M.-P. absolut richtig. Ich würde es trotz allen finanziellen Einbussen wieder machen.
Wenn man weiss, wo Unrecht geschieht, muss man es bringen, egal, was für „Konsequenzen“ das hat.

Vor allem Umweltschutz und Konsumentenschutz wurden thematisiert. Warum das?
Tierschutz, Umweltschutz und Konsumentenschutz müssen Selbstverständlichkeiten sein. Wenn sie es eines Tages sind, muss man sie auch nicht mehr bringen.

Heute läuft es anders. Wirtschaftswachstum ist angesagt…
2 % Wirtschaftswachstum bedeutet nichts anderes als Verdoppelung in 35 Jahren. Man muss sich das einmal ganz konkret vorstellen: doppelt soviele Autos, doppelt soviele Wohnhäuser, doppelt soviele Strassen. – Wollen wir das überhaupt? Ist es sinnvoll?

In Schwyz läuft es aber genau so…
Heute wird den Bürgerinnen und Bürgern vorgegaukelt, je mehr MythenForums, je mehr Hofmatts, je mehr AHV-Gebäude, Mythen-Centers, Dreifachturnhallen und grelle Natrium-Hochdrucklampen etc. wir hätten, desto höher unser Wohlstand sei. Wie aber steht’s mit der Lebensqualität? Sind die Menschen glücklicher als früher geworden?

Sehen Sie das nicht zu negativ?
Ich betrachte die Entwicklung der vergangenen 20 Jahre und rechne sie auf die nächsten Jahrzehnte hoch. Das Ergebnis stimmt mich nachdenklich.

Von gewissen Kreisen wird Ihnen seit Jahren „Gewerbefeindlichkeit“ vorgeworfen…
Es sind Leute, die sich halt betroffen fühlen. Für gewisse Personen heisst Gewerbepolitik primär „Profit um jeden Preis“. Einziger Massstab ist für sie das Geld. Sie fordern Kritiklosigkeit. Nichts über bedenkliche Baumaterialien bringen; schweigen, wenn Millionen für irgend ein fragwürdiges öffentliches Bauprojekt zum Fenster hinausgeworfen werden; nichts über Immissionen etc. schreiben – und vor allem: ja nicht nachdenken!

Es heisst oft, Sie seien „nur negativ“…
Ich bin im Grunde ein positiver, optimistischer, lebensfroher Mensch. Schwyz bedeutet mir viel. Gerade deshalb macht es mich oft masslos wütend, wenn ich sehe, wie gewisse Kreise skrupellos abwirtschaften und Schwyz zerstören.

Sie haben sozusagen einen heiligen Zorn?
Urs Beeler (lachend): Ja, diese Bemerkung habe ich schon öfters gehört.

Aber ist es denn tatsächlich so schlimm?
Der Prozess findet schleichend statt, so dass es (zu) viele gar nicht merken.

Ja, aber man kann doch die Zeit nicht zurückschrauben…
Ich kenne diese Argumentation. Darauf antworte ich immer: Das Gute bewahren, das Schlechte negieren und stattdessen etwas positives Neues entwickeln.

Interessieren sich die Leute für Konsumentenschutz-Beiträge in der Mythen-Post?
Es wäre wichtig…

Viele Leute sehen die Missstände, fühlen sich jedoch nicht in der Lage, etwas ändern zu können. Soll die Mythen-Post sozusagen ein Sprachrohr für diese Menschen sein?
Motor für die Konsumentenschutz-Beiträge war meine Auffassung der Pflicht, aufzuklären. Die Konsumenten werden heute von der Industrie manipuliert. Objektiv betrachtet sind viele Produkte nicht besser, sondern schlechter geworden. Die Werbung gaukelt jedoch das Gegenteil vor.

Warum gelangen Sie nicht direkt an die Industrie?
Weil das nichts bringt. Die Chemieindustrie weiss z.B. ganz genau, dass diese und jene Substanzen in Abwaschmitteln etc. problematisch sind. „Wenn Sie das doch wissen, warum machen Sie nicht Produkte, die alle vertragen“, fragte ich. „Wenn es 90% der Konsumenten vertragen, genügt uns das“, war die Antwort. Man wolle schliesslich Geld verdienen. Und dann immer wieder die zarte Drohung, ich müsse „aufpassen“, wenn ich etwas schreibe.

Sie gelten mit Ihren Ansichten als „radikal“…
Ich bin dort kompromisslos, wo’s nötig ist (z.B. Tierschutz) und es darum geht, etwas Positives (z.B. bessere Haltungsbedingungen) zu bewirken.
Wenn ich Fehler mache, korrigiere ich die. Denn auf Fehler zu beharren, wäre bereits ein zweiter Fehler.

Von diversen Inserenten wurde der Wunsch geäussert, die Mythen-Post etwas „zahmer“ zu machen…
Der provokative Stil des Hefts hat zu einem hohen Beachtungsgrad geführt und die Zahl der Abonnenten bzw. Sponsoren ist gestiegen. Ich glaube, dass es auf die Dosierung ankommt. Mein Ziel ist, den optimalen „Mix“ zu finden, der Inserenten und Leser zufriedenstellt.

Ist nicht auch die heutige Informationsflut ein Problem?
Ja, deshalb ist es wichtig, dass man sich auf das Wesentliche beschränkt.

Glauben Sie, journalistisch etwas bewegen zu können?
Selbst, wenn ich wüsste, dass es nichts bringt, würde ich es dennoch tun. Rein aus Prinzip. Die Frage, ob es etwas bringt, stelle ich mir meistens gar nicht.

Was betrachten Sie neben der „Beobachter“-Funktion als Aufgabe der Mythen-Post?
Wir müssen schauen, die kleinen, gesunden Strukturen aufrecht zu erhalten. Für die Mythen-Post gibt es viel Arbeit: Stärken der kleinen und mittleren Fachgeschäfte der Region mit guter PR. Fürsprecher sein für den dezentralen Einkauf, gewissen „Lobbyisten“ weiter auf die Finger schauen, Tierschutz-Recherchen usw.

Werden Sie das umsetzen können?
Solange es noch unabhängige Gewerbler in Innerschwyz gibt, wird es – so Gott will – auch eine Mythen-Post geben. Abdanken sollte man erst, wenn man wirklich alles versucht hat. Vorher heisst es weiterkämpfen!

Sie kämpfen also weiter…
Urs Beeler (lachend): „Alles, was einen nicht umbringt, macht einen stärker“ (Nietzsche). Die Boykotte gewisser Kreise haben gezeigt, dass dort etwas faul ist. Dann fange ich an, wie ein Zahnarzt zu bohren.
Die finanziellen Einbussen muss man anderweitig auszugleichen versuchen. Nachgeben würde nur heissen, den Rückständigen recht geben. Das wäre schon aus Prinzip falsch.

Sie sind eigentlich seit 10 Jahren – Gründung Ihres Verlags – in „permanentem Einsatz“. Was ist Ihr Ausgleich?
Die Natur (saubere Luft, sauberes Wasser, strahlend blauer Himmel) geniessen, gut essen und trinken. Dann bietet aber auch meine Arbeit viel Abwechslung und quasi „von selbst“ einen Ausgleich.
Ich schaue mir sehr gerne qualitativ gut gemachte Comedy-Serien und Spielfilme an. Im Prinzip ist das die Welt, in der ich mich wohlfühle, wo’s gut und lustig zugeht. So amüsant sollte eben auch das echte Leben sein!

Haben Sie zum Schluss dieses Interviews einen speziellen Wunsch?
Ja, ich möchte allen Kunden, Abonnenten und Sponsoren der Mythen-Post für ihre Treue ganz herzlich danken und wünsche allen viel Glück und Erfolg!

Herzlichen Dank für das Gespräch!

Mythen-Post