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Brief von Prof. Dr. Ing.-habil. Claus Meier an den deutschen Bundeskanzler
"Bauen gerät immer mehr in das Fahrwasser gewinnsüchtiger Industrien"

Prof. Dr. Ing.-habil. C. Meier erwähnt in seinem Brief an den deutschen Bundeskanzler Gerhard Schröder nicht nur das Thema "falsches Bauen/Isolieren", sondern deutet an, was heutzutage sonst noch alles krumm läuft. Es lohnt sich, diesen interessanten Brief zu lesen:

RROF: DR.-ING. HABIL. CLAUS MEIER - ARCHITEKT SRL - WISS: DIREKTOR
NEUENDETTELSAUER STRASSE 39 - 90449 NÜRNBERG
TEL. (0911) 68 97 526 - FAX (0911) 68 97 527
e-Mail: prof.dr.c.meier@t-online.de



Kanzler der Bundesrepublik Deutschland
Herrn Gerhard Schröder
Bundeskanzleramt
Schloßplatz 1
D-10 178 Berlin

Nürnberg, den 05.01.2001

 

Sehr geehrter Herr Bundeskanzler

Im Zuge des Verbraucherschutzes anläßlich der BSE-Krise ist es angebracht, endlich auch beim Wärmeschutz der Gebäude und beim Erlaß der Energieeinsparverordnung an den Verbraucherschutz zu denken. Hier geschehen ungeheure Falschinformationen und sollte es eines Tages der Verbraucher merken, werden alle wieder nichts davon gewußt haben. Man sei nicht eindringlich genug informiert worden, wird man sagen - siehe BSE; hier gab es frühzeitig genug warnende Stimmen, sie wurden nur verdrängt.
Sie sagten, wir seien alle zu gutgläubig gewesen, zu lange sei Informationen vertraut worden, daß Deutschland BSE-frei sei. Man vertraute also den falschen Leuten - des Kaisers neue Kleider. Unter der Überschrift „Die Briten in die Irre geführt" steht in den Nürnberger Nachrichten vom 27. 10. 2000: „Mit Lug und Trug hat die damalige konservative Regierung die Gefahren des Rinderwahnsinns jahrelang vertuscht" und weiter „Schonungslos entlarvt die Studie der Kommission die Geheimnistuerei und Bunkermentalität der Ministerien" Es seien dabei sogar wissenschaftliche Studien bewußt frisiert worden. Man konnte also wissen, was hier geschah.
In der FAZ vom 2. 12. 2000 steht unter der Überschrift „Wie die Erforschung von BSE behindert wurde" und „Wie Politik die Wissenschaft unterdrückte" der folgenschwere Satz: „Erkenntnis wird kriminalisiert" und „Es ist die längst abgetan geglaubte Geschichte des Wissenschaftlers: die Wahrheit zu wissen und nicht gehört zu werden". Von dem britischen Mikrobiologen Stephen Dealler wurde die Politik also schwer belastet.

In diesem Sinne wird der nächste technische - und moralische - Reinfall nicht zu vermeiden sein. Das angepriesene „energiesparende" Bauen ist wissenschaftlich nicht haltbar und deshalb unsinnig; es treten zu viele Widersprüche auf:

  1. Eine Dämmung über 6 bis 8 cm verliert ihre Effizienz. Dies ist Mathematik. Trotzdem wird bei einer 40 cm Dämmung von einem effizienten Bauen gesprochen - eine Lüge.
     
  2. Insofern ist das „Neue Bauen" unwirtschaftlich, es wird ständig gegen das Energieeinsparungsgesetz verstoßen. Dies ist Finanzmathematik. Allerdings wird das Gegenteil behauptet.
     
  3. Beim Energieverbrauch wird falsch gerechnet. Der überall verwendete k-Wert gilt nur für den Beharrungszustand, der die Wirkung der Sonne ausschließt. Das ist Physik. Trotzdem wird der k-Wert zum Maß aller Dinge erklärt.
     
  4. Strahlung wird falsch gerechnet. Hier gilt nicht die Thermodynamik, sondern die Quantenmechanik. Auch das ist Physik. Falsche Ergebnisse sind die Folge.
     
  5. Die technologische Entwicklung der Wärmeschutzgläser wäre überflüssig, wenn die physiologisch hervorragende Strahlungsheizung wieder eingesetzt werden würde. Dies ist Werkstoffkunde. Der Einbau wird jedoch vorgeschrieben.
     
  6. Diese Fehlentwicklungen im Bauwesen führen zu Bau- und Feuchteschäden. Dies sind bautechnische Erfahrungen - leider.
     
  7. Es werden luftdichte Häuser und Wärmedämmverbundsysteme gefordert. Schimmelpilz- und Algenbildungen sind die Folge. Allergien und Asthma nehmen zu. Dies sind medizinische Erkenntnisse. Trotzdem wird auf dieser Schiene weitergefahren.

Bauen gerät immer mehr in das Fahrwasser gewinnsüchtiger Industrien. Zur Meinungsbildung dürfen nicht die industriegenehmen und willfährigen Wissenschaftler, sondern es müssen gerade die Stimmen, die sich dem Kunden, den Verbrauchern, den Häuslebauern verpflichtet fühlen, gehört werden. Aber der Kunde hat ja keine Lobby.
Der Verbraucherschutz gilt generell. Insofern muß die Vorstellung von Wirtschaftsminister Müller, das „Energiesparen" müsse notfalls auch mit dirigistischen Mitteln durchgesetzt werden, entschieden zurückgewiesen werden. Es geht nicht an, daß bei fehlenden Sachargumenten und sich häufenden Widersprüchen der Zwang einsetzt. Ich denke, ein solches Staatshandeln hat bei uns der Vergangenheit anzugehören.
Hubert Markl, der Präsident der Max Planck Gesellschaft, hat in einem Vortrag auf der EXPO 2000 u.a. gesagt: „Lügen und Betrug seien integrale Bestandteile des Forschens". Dies ist nicht aus der Luft gegriffen. Das Forschungsergebnis eines renommierten Institutes, das die unbeschienene Nordwand energetisch günstiger ausweist als eine beschienene Südwand, bedeutet Scharlatanerie. Diese Forscher aber bestimmen seit Jahren das Bauen.
Die viel gerühmte Informationsgesellschaft darf nicht zur Desinformationsgesellschaft, die Wissensgesellschaft nicht zur Meinungsgesellschaft degenerieren. Aber Wissen allein genügt nicht; Hubert Markl hat auch gesagt: „Die Wissensgesellschaft muß zur Gewissensgesellschaft werden". Noch ist sie es nicht - auch nicht in der Wissenschaft.
Die vorgebrachte Begründung bei der Aufhebung des Werbeverbots für Tabak durch den Europäischen Gerichtshof, es gehe nicht um die Gesundheit, sondern um den Wettbewerb, ist blamabel. Im Klartext heißt dies: Es geht um Geschäfte.
Solange jedoch diese globalisierte Marschroute Vorrang vor den Interessen der Verbraucher hat, wird es sehr schwer werden, verloren gegangenes Vertrauen, um das Sie ja besonders bitten und das nicht erst seit BSE immer mehr um sich greift, wieder zurück zu gewinnen. Mit „Schwachstellenanalysen" ist diesem Problem nicht beizukommen. Man redet zwar - gerade jetzt wieder - viel über Ethik, aber was nutzt das Reden, wenn nicht danach gehandelt wird. Politiker sollten nicht diejenigen fragen, die die Fehlentwicklungen wohlfeil verschleiern - auch im eigenen Hause, sondern diejenigen, die Kritisches dazu zu sagen haben. Täuschung verdient keine Toleranz; Kompromißbereitschaft hört beim Betrug auf. Ein Dialog zwischen konträren Aussagen wird jedoch konsequent vermieden und verhindert - auch bei uns. Es erscheint zu brisant zu sein. Die Redaktionen von Fachzeitschriften und Veranstalter von alternativen Baufachseminaren werden unter Druck gesetzt. Hier erinnere ich an Worte unseres Bundespräsidenten Rau, der mahnt, Andersdenkende nicht als Nörgler anzusehen.
Als Sozialdemokrat sollten Sie Ihre Positionen eigentlich kennen.
Generell werden mathematische und physikalische Zusammenhänge ignoriert und negiert, wissende Personen diffamiert. Hier aufklärend zu wirken, schlage ich einen Dialog in Ihrem Hause unter Fachleuten vor, um, wie es in Ihrem Eid so schön heißt, Schaden vom Volk abzuwenden.

Mit freundlichen Grüßen
Prof. Dr. Ing.-habil. Claus Meier

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