Dossier

Urs Beeler: „Gegenüber Schwyz, Einsiedeln und Pfäffikon war ‚Cham‘ bürokratischer.“

 

Beeler: „In der Unterrichtsführung keine einfache Klasse. Vor allem ein Typ fiel mir als ungeheurer Provokateur und Nervensäge auf – bis mir der Kragen platze und ich dem Burschen deutsch und deutlich die Leviten lass. Offenbar so gründlich, dass sein Vater am Samstag darauf persönlich in der Schule auftauchte. Dieser Herr war dann charakterlich ähnlich wie sein Sprössling. Jedenfalls schaute bei diesem ‚Gespräch‘ absolut nichts heraus. Ein ganz wenig hatte sich jedoch der Aufruhr in der Klasse beruhigt. Es schien fast so, als ob diese Schüler noch nie eine Lehrperson mit Ecken und Kanten gehabt hätten, die für Ordnung schaut. – Oder war ich ‚das Problem‘? Jedenfalls funktionierte es mit dieser Klasse mentalitätsmässig überhaupt nicht, obwohl ich mir – wie gewohnt – sehr grosse Mühe gab. Lag die Ablehnung nicht an mir, sondern bloss am Fach Mathematik/Geometrie, das ich zu unterrichten hatte und mit dem die SchülerInnen – wie zu vermuten ist – schlechte Erfahrungen gemacht hatten? Dann wäre es irgendwie zu begreifen, denn die wenigsten naturwissenschaftlich ausgerichteten Lehrkräfte bringen es fertig, Mathematik, Geometrie, Physik usw. ‚mundgerecht‘ zu vermitteln. Mein Job betrachtete ich immer daran, abzutasten, wieviel die Schüler wussten und ob das Fundament tragfähig war. Erst dann konnte/kann man darauf mit gutem Gewissen aufbauen.“

 

Die Bezahlung für den Einsatz vom 25. Mai bis 5. Juni. Kilometergeld für die Fahrt Schwyz-Cham gab es keines. „Erinnern kann ich mich noch an die Vollgasfahrten mit dem Renault 14 TL Spécial auf der Autobahn Cham-Schwyz, wo ich – frustriert vom Unterricht in Cham – das Maximum vom drehfreudigen 1,2-l-Alluminium-Triebwerk anlässlich der verdienten Heimfahrt herausholte.“ – Beeler störten die immensen Abgasimmissionen, die zu der Zeit eine Papierfabrik in der Nähe des Schulhauses Röhrliberg verursachte. Und gab’s in der Region nicht auch noch eine Spanplattenfabrik oder ähnliches? Jedenfalls war die Luft in der zweiten Hälfte der Achtzigerjahre in Cham noch katastrophal. Bedenklich vor allem, wenn man weiss, dass der Kanton Zug damals schon der reichste Kanton der Schweiz war. Dies merkte man u.a. auch an den überaus grosszügigen Schulmaterialausrüstungen. Da wurde Geld z.T. regelrecht zum Fenster hinausgeworfen. Sekundarschulen kamen in den Genuss von Physikräumen und -ausrüstungen, deren Potential nicht einmal von Gymnasien nur ansatzweise hätte genutzt werden können. Es wurden laufend die neusten Schulbücher angeschafft, mit der Nebenwirkung, dass zum ausgelieferten brandneuen Algebra Buch parallel eine Broschüre mit Fehlerkorrekturen ausgeliefert werden musste (Das Neue war nicht ausgereift!!). Bis heute unvergesslich blieben auch die zwei geradezu monumentalen Xerox-Maschinen im Kopierraum, von denen ein Gerät praktisch mit Sicherheit gerade defekt war (wen nicht gleich beide Maschinen!). Irgendwie bekam Beeler das Gefühl, im Kanton Zug würde Geldverschwendung betrieben. Jedenfalls hätte man das Geld mit ziemlicher Sicherheit besser und schöner (!) einsetzen können. Aber dies entsprach offensichtlich nicht den verantwortlichen Leuten resp. der Mentalität der dort lebenden Bevölkerung. Letztere schien bereits stark städtisch geprägt zu sein (im negativen Sinne).

 

Eine weitere Anfrage. Beeler konnte resp. wollte (?) diese Stellvertretungen damals jedoch nicht annehmen.

 

Urs Beeler