Urs Beeler antwortet

Mythen-Post Rechtsanwaltsbüro Kuny &
Wolf
Urs Beeler z.H. Herrn lic. jur. Theo Kuny
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Sehr geehrter Herr Kuny
Ich beziehe mich auf Ihr Schreiben (Fax) vom 22.9.04 und betone, was ich von Anfang an sagte, dass ich an einer guten und einvernehmlichen Lösung interessiert bin.
Ihre Ausgangslage ist dabei wesentlich einfacher als die meinige.
Vorgeschichte
Wegen 2,5% Zins-Differenz zum Schuldbrief liess mich die Schwyzer Kantonalbank finanziell hochgehen. Mit entsprechender Solidarität (es wäre vor der Zwangsversteigerung vom 2. September 2004 sogar noch eine Neufinanzierung durch die Sparkasse Schwyz möglich gewesen), wäre ich heute noch Eigentümer der Liegenschaft. Die ganze Geschichte lässt sich mit den entsprechenden Dokumenten unter www.mythen-post.ch nachlesen.
Durch das sture Festhalten der Schwyzer Kantonalbank bin ich nun meinen Erbteil los und erlitt einen Verlust von Fr. 242’000.–. (Fr. 1.36 Mio. minus Fr. 1,602 Mio. = minus Fr. 0,242 Mio.).
Die Profiteure: Die Schwyzer Kantonalbank hat ihren Willen durchgesetzt und Walter Fässler eine prächtige Liegenschaft unter Wert erhalten.
Aktuelles
Mit Schreiben (Fax) vom 10. September 2004 teilt mir Walter Fässler mit, dass ich nach 39 Jahren glücklichem Dasein in der Alten Brauerei bis spätestens 30. September 2004 die Liegenschaft zu räumen hätte. Ich mache ihm darauf am 14.9. schriftlich den Vorschlag, sämtliche Kosten für drei Monate zu übernehmen. (Walter Fässler hätte den Betrag direkt vom Kaufpreis abziehen können.) Dadurch bliebe mir genügend Zeit zur sorgfältigen Räumung. Das entspreche auch dem, was jedem Mieter heutzutage vom Gesetz her mindestens zustehe.Varianten
Vermietung im IST-Zustand, Umnutzung, Total- oder Teilabriss? Man weiss bis jetzt nicht, was Walter Fässler mit der Alten Brauerei vor hat. Diesbezüglich hat er auch – soviel mir bekannt ist – bis heute anderen Journalisten keine Auskunft gegeben.
Ich finde die aktuelle „Drei Königen“-Erweiterungsvariante architektonisch nicht harmonisch und habe dies auch den verantwortlichen BSS Architekten gesagt. Der sog. Tante-Berti-Teil (gelber Gebäudeteil unten rechts) der Alten Brauerei wird durchschnitten. Statt Sonne und Südlage zu geniessen, starren künftige Mieter dieses Teils nur noch an eine Wand. Die prächtige Aussicht von der Terrasse her auf den Grund fällt weg. Dem BSS-Modell nach zu urteilen kommt an diese Stelle ein zweites, schräg gestelltes „Bruhin-Haus“ hin, dessen Dachstuhl standardmässig mit Sondermüll (Stein- oder Glaswolle) isoliert sein wird.
Denkbar ist, dass dieses Projekt aufgrund der aktuellen Situation wegfällt und es eine Grossüberbauung „Drei Königen“ geben wird
Wenn dann wieder diese BSS-Mentalität („Nach uns die Sintflut“) durchschlägt – dann gute Nacht!
Aus obigem Grund bin ich an Firmen, Freunde, Bekannte, Abonnenten, Gönner und Sympathisanten gelangt mit der Idee, Walter Fässler die Alte Brauerei zum betreibungsamtlichen Schatzungswert von Fr. 1,45 Mio. zurückzukaufen. Walter Fässler würde damit immerhin einen Bruttogewinn von Fr. 90’000.– erzielen.
Meine Absicht wäre, mit Unterstützung des Bundesamtes für Wohnungswesen in Grenchen und Gleichgesinnten, günstige baubiologische Wohnungen für MCS-Betroffene an der Kollegiumstrasse 4/6 in Schwyz anzubieten – und damit die Alte Brauerei Schwyz zu retten.
Ob ich diesmal jedoch die nötige Solidarität in der Praxis erhalte und Walter Fässler überhaupt zu einem Verkauf bereit wäre, wird sich in den nächsten Tagen herausstellen.
Räumung
In den vergangenen Monaten habe ich mir genau überlegt, was man mit der Alten Brauerei bestmöglich anstellen könnte. Bilder/Zeichnungen etc. dazu finden Sie im Internet. Walter Fässler und Sie verfolgen jetzt eine total andere Schiene und zwar geht es darum, wie Sie mich möglichst geräuschlos aus der Alten Brauerei bringen können.
In diesem Zusammenhang gibt es verschiedene Probleme: Da bis zum 2. September die Zukunft der Alten Brauerei völlig ungewiss war und bis zum letzten Moment Hoffnung bestand (die Möglichkeit wäre ja bestanden, dass mein Bruder die Liegenschaft ersteigert), gab es nicht den geringsten Grund, die Alte Brauerei vorher zu verlassen. Zudem gibt vermutlich nur ganz wenige Objekte (falls überhaupt!) im Talkessel Schwyz, die annähernd eine solche Wohn- und Lebensqualität bieten.
Vom Gesetz her ist Walter Fässler am längeren Hebel. Er denkt dabei nicht so bewahrend, wie das meine Eltern und ich getan haben (z.B. Heinz von Euw und Alois Fischer seit 1960 eingemietet). Nach 39 Jahren soll ich bis 30. September 2004 die Brauerei geräumt haben.
Wäre ja schön, wenn das so einfach wäre!
Trotz Aufrufen im Regionalfernsehen „Tele Tell“, Berichterstattungen in „20 Minuten“ (grösste Tageszeitung der Schweiz), Präsenz im „Bote der Urschweiz“, der „Neuen Schwyzer Zeitung“, der „Neuen Luzerner Zeitung“ usw. ist es mir bis jetzt nicht gelungen, MCS-gerechten Wohnraum mit separatem Eingang und separater Waschküche für mich zu finden. Ebenso wenig hat die Kontaktaufnahme mit Klöstern, Pfarrämtern etc. betr. einer akzeptbablen Übergangslösung etwas gebracht. Der ganze Kanton Schwyz scheint ausgebucht zu sein!
Weil Sie mich [nach 39 Jahren] möglichst rasch aus dem Haus haben wollen, habe ich zusätzlich im Internet einen Aufruf lanciert, dass ich sogar zu einem Gang ins Exil nach Deutschland, Österreich, Frankreich, Dänemark etc. bereit sei, wenn mir dort geeigneter Wohnraum zur Verfügung gestellt werde. Bis jetzt bekam ich – trotz einer Besucherfrequenz von rund 130’000 Hits pro Monat auf der Mythen-Post Homepage – keine positive Nachricht.

Ist das System „überfordert“ oder einfach unwillens?
Es ist absolut tragisch, dass es offenbar nicht möglich ist, in der Schweiz etwas, was selbstverständlich sein müsste – eine schadstofffreie Wohnung mit eigener Waschmaschine [zum ausschliesslich duftstofffrei waschen] und separatem Eingang [Expositionsstopp] innert nützlicher Frist zu finden resp. zur Verfügung gestellt zu bekommen.
Wenn jemand vom Grossen Mythen abstürzt, ist die Rega sofort da und der Verunfallte wird ins nächste Spital geflogen. Wenn mich auf dem Zürcher Paradeplatz eine Wespe sticht und ich unter einer schweren Insektengiftallergie leiden würde (was ich nicht tue), würde ich unverzüglich mit der Ambulanz in die Allergiestation der Uniklinik Zürich gebracht. In Sachen Symptombekämpfung ist das Schweizer Gesundheitswesen Weltmeister. Wer jedoch an einer seltenen Immunsystemerkrankung – MCS – leidet, wo nur der Expositionsstopp etwas bringt, da versagt das komplette System oder es erscheint [zeitgebunden – man schreibt ja „erst“ das Jahr 2004] unwillens – und es ist höchste Zeit, dass sich das ändert!

Zeit

Sehr geehrter Herr Kuny, ich weiss nicht, wie Sie oder Herr Fässler reagieren würden, wenn Ihnen gesagt würde, dass Sie innert 14 Tagen Ihre Wohnung/Ihr Büro räumen müssten, ansonsten die Zwangsräumung drohe. Ich appelliere an Ihren gesunden Menschenverstand und daran, sich auch einmal folgendes Szenario [klassische Hirnlos-Mentalität von Behörden] zu überlegen:

  1. Hätten Sie Lust und Interesse daran, dass bei Ihnen irgend ein vom System aufgebotener Amtsarzt (die Behörden meinen es ja nur „gut“!) kommt und Ihnen einen eine 30 cm lange bis auf den letzten Kubikmillimeter geladene Beruhigungsspritze verpasst? Löst das Ihre Probleme?
  2. Möchten Sie als kräftige, über 230 Pfund schwere Person von 6 Beamten überwältigt, mit Handschellen versehen, abgeführt und in einen bereitstehenden Opel Caravan verfrachtet werden? Was bringt das?
  3. Wollen Sie anschliessend in einer Gefängniszelle über Ihre weitere Zukunft und die Starrheit, Widersprüche und Ungerechtigkeiten des Systems nachdenken?
  4. Oder hätten Sie Interesse daran, in eine schadstoffbelastete kleine Sozialwohnung abgeschoben zu werden, in der Ihr Immunsystem kollabiert? (MCS interessiert heute noch wenige. In zehn Jahren wird es – dank meinen Bemühungen – vermutlich schon ganz anders aussehen und MCS-Behausungen werden vorhanden sein) [Anmerkung: Das MCS-Wohnprojekt Zürich-Leimbach kam – aber leider nicht so, wie es richtig hätte sein müssen!]
  5. Wenn Ihnen die Punkte 1-4 auch nicht angenehm sind. Welche Alternativen gibt es?
    Das System „vollzieht“ einfach, wie es das Gesetz vorsieht. Ob sinnvoll oder nicht, menschenwürdig oder nicht, gerecht oder nicht, situationsangepasst oder nicht, vernünftig oder nicht. – Warum nicht Konsenslösungen zwischen vernünftigen, verantwortungsbewussten Menschen suchen?

Das System „vollzieht“ einfach, wie es das Gesetz vorsieht. Ob sinnvoll oder nicht, menschenwürdig oder nicht, gerecht oder nicht, situationsangepasst oder nicht, vernünftig oder nicht. – Warum nicht Konsenslösungen zwischen vernünftigen, verantwortungsbewussten Menschen suchen?

Es geht um positive Lösungen!
Neben einer MCS-gerechten Behausung (mit separatenm Eingang/Waschmaschine zum ausschliesslich duftstofffrei waschen) zu finden, muss ich auch noch mein Büro und Archiv zügeln, benötige ich einen Raum zur Aufbewahrung (…). Statt mich zwangsauszuweisen, wäre ich Ihnen sehr verbunden, wenn Sie mir bei der Lösung dieses Problems helfen würden. Dann löst sich nämlich automatisch auch Ihres resp. jenes von Walter Fässler! An meiner Gesprächsbereitschaft soll es nicht liegen und ich werde mich bei Ihnen zu dem von Ihnen angebotenen Termin gerne melden.
Bis dahin verbleibe ich

mit freundlichen Grüssen
Urs Beeler

 

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